annihilation

Der Science-Fiction-Film Die Auslöschung, Originaltitel Annihilation, ist bereits seit fast einem Jahr bei Netflix abrufbar. Obwohl an den Kinokassen in den USA ein Misserfolg, erfreut sich der Film einer großen Fangemeinde und gilt für viele als Highlight des vergangenen Filmjahres. Ein guter Grund also, sich den starbesetzten Film näher anzuschauen. 

Die Auslöschung ist ein Beispiel dafür, unter welche extremen Bedingungen heute das Filmbusiness betrieben wird. Bereits 17 Tage nach dem US-Kinostart veröffentlichte Netflix den Film auf seiner Plattform.  Was war geschehen? Schon die Testscreenings verliefen nicht nach Wunsch. Zu anspruchsvoll und zu kompliziert sei der neue Film mit Natalie Portman und Oscar Isaac. Paramount Pictures verkaufte die Vertriebsrechte noch vor dem Kinostart an Netflix. Der Film sollte ausserhalb Nordamerikas nicht mehr in die Kinos kommen. 

Zum Inhalt. Ein Feuerball stürzt auf die Erde. Fortan breitet sich der sogenannte Shimmer aus. Eine Art Glocke hat sich über die Landschaft gestülpt, an deren Oberfläche es seifenblasenähnlich in Regenbogenfarben schimmert.  Expeditionsteams werden hineingeschickt und kehren nicht zurück, bis eines Tages der auch verschollen geglaubte Kane (Oscar Isaac) vor seiner Frau, der Molekularbiologin Lena (Natalie Portman), steht. Die Freude währt nur kurz, irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Er muss in Quarantäne und Lena entschließt sich, an einer weiteren Expedition in das mysteriöse Area X teilzunehmen. Nicht unbedingt die logischste Entscheidung aber vermutlich erhofft sie sich dadurch Rettung. Im weiteren Verlauf wird das durchaus Sinn machen.

Gemeinsam mit drei anderen Wissenschaftlerinnen, darunter Jennifer Jason Leigh als Dr. Ventress, begibt sich Lena in das unbekannte Gebiet. Bereits kurz nach Eintritt, versagt jegliche Kommunikation nach außen und das Zeitgefühl geht auch noch verloren. Was dort aber neben mittelmäßig animierten Kreaturen noch so abgeht, kann sich sehen lassen. Es sei nicht zu viel verraten aber vor allem zum Ende hin, wenn der Plot immer abstrakter und verrückter wird, trumpft Die Auslöschung so richtig auf. Biologische Gesetzmäßigkeiten scheinen sich aufzulösen. Das eigene Ich wird in Frage gestellt. Banale Erklärungen werden dem Publikum erspart und so lässt einen das Finale auch nach dem Ende des Filmes so schnell nicht mehr los.

Trotz der interessanten Ideen, die Die Auslöschung aufgreift, kommt der Film nicht an große Science-Fiction-Momente der letzten Jahre heran und kann auf der emotionalen Ebene nicht mit Arrival mit halten. Die Wagnis, den Film nicht schon vor Veröffentlichung zu adaptieren und leichter zugänglich zu machen, ist der Produktion aber hoch anzurechnen. Solch ein Mut fehlt in der durchkalkulierten Filmlandschaft von heute. 

Manche Stimmen meinen, Die Auslöschung wurde bei den diesjährigen Oscar Nominierungen übergangen. Zumindest auf eine Kategorie trifft das zu: Die Qualität des Sounds lässt sich zu Hause nur erahnen aber selbst hier vermag er zu beeindrucken. Wie muss das erst in einem Kinosaal sein!

Es ist nach Ex Machina (2015) die zweite Regiearbeit von Alex Garland, der sich auch für die Romanvorlage von The Beach (2000) verantwortlich zeichnet. Ungewöhnlicherweise hat er nun die Trilogie der Vorlage zu einem Film vereint. Eine Geschichte, die uns von der Protagonistin im Nachhinein erzählt wird, was noch mehr Raum für Interpretationen offen lässt. Erfrischend gut.

ALEX GARLAND | OT: Annihilation |USA 2018 | 115 Min. | 3.5 out of 5 stars

Foto (C) Netflix

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