BOOKSMART

What utter rubbish. Worst movie of this year, this decade, this millennium. In fact worst movie ever. If this is anything like what high school is these days then I truly weep for the future.“ Wer sich so im Netz äußert, muss einen Donald-Trump-Pappaufsteller in der Wohnung haben oder nein, mindestens eine aufblasbare Puppe des Präsidenten sein eigen nennen. Dieses homophobe Warzenschwein! Wobei, wenn uns Booksmart, der erste Spielfilm der Schauspielerin Olivia Wilde, eines lehrt, dann dass man mit allzu voreiligen Zuschreibungen vorsichtig sein sollte.

Molly (Beanie Feldstein), eine hyperaktive Streberin vor dem Herrn und ihre beste Freundin Amy (Kaitlyn Dever), scheinbar unauffälliger aber wenn es um feministische Angelegenheiten geht nicht weniger energisch, stehen kurz vor dem Highschool-Abschluss. Jahre der Entbehrungen liegen hinter ihnen. Hatten sie doch ihr gesamtes Leben dem Schulerfolg untergeordnet. Am Tag vor der Abschlusszeremonie kommt das böse Erwachen. Selbst die am wenigsten ambitionierten MitschülerInnen schafften es, an Eliteunis aufgenommen zu werden. Panik macht sich breit.

Also putzen sich die zwei heraus und versuchen in einer vermeintlich perfekten Nacht all das Versäumte nachzuholen. Booksmart nimmt uns mit auf eine abenteuerliche Reise, die nicht nur voller Überraschungen steckt sondern auch noch wahnsinnig unterhaltsam ist. Mit viel Liebe zu ihren Charakteren inszeniert Wilde eine Odyssee durch das nächtliche L.A. und lässt ihre Hauptdarstellerinnen auf der Suche nach der coolsten Party der Stadt von einer skurrilen Situation in die nächste stürzen. Feldstein und Dever geben dabei ein kongeniales Duo ab. Nur ein Höhepunkt von vielen ist eine Stop-Motion Barbie-Drogen-Halluzinations-Sequenz. Zum schreien komisch. Muss man gesehen haben.

Dabei wird Diversität groß geschrieben. Die unterschiedlichsten sexuellen Orientierungen sind hier das Selbstverständlichste auf der Welt. Genderfragen werden fast beiläufig thematisiert. Das alles ist von einer erfrischenden Natürlichkeit, wie man es in High School Komödien bisher nicht gesehen hat. Der Film ist bis in die kleinesten Rollen fein besetzt, wartet mit einem spitzen Soundtrack auf (Dan the Automator) und überzeugt mit einer kreativen Kameraarbeit (Jason McCormick).

Booksmart ist eine Geschichte über eine Freundschaft, bizarr und deftig und trotzdem intelligente Unterhaltung mit einem feministischen Unterton. Ein Wohlfühlfilm, der auch unter der Oberfläche einiges zu bieten hat.

BOOKSMART | OLIVIA WILDE | USA 2019 | 105 Min. | [usr: 4,5]


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