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„Yes, we can“, das haben sich die Macher rund um Regisseur Jon Favreau wohl gedacht, als sie den Auftrag für das Remake des Disney Kinoklassikers aus dem Jahr 1994 bekommen haben. Der Zeichentrickfilm Der König der Löwen hat bis heute eine knappe Milliarde US-Dollar eingespielt. Ein derartiger Erfolg ist nur wenigen Filmen aus dem letzten Jahrhundert vorbehalten (genauer nur Titanic und Jurassic Park). Kein Wunder, dass sich der Konzern dazu entschloss, eine Neuauflage in die in Kinos zu bringen. Allerdings kein Live-Action Remake – aus Gründen – sondern einen hyperrealistischen Animationsfilm auf dem letzten Stand der Technik.

Favreau hat schon mit seinem Dschungelbuch (2016) gezeigt, wohin die Reise geht. Nun also ein Film, der komplett dem Rechner entsprungen ist. Das Ergebnis ist beeindruckend. Es ist schwer, einem Kind zu erklären, dass hier nichts echt ist. Eigentlich ist es unmöglich. Neben der technischen Finesse kämpft der Film aber mit so manchen Probleme. Er ist schlicht irgendwo zwischen Tierdokumentation und Spielfilm stecken geblieben.

Der König der Löwen ist ein Hybird von Film. Des Realismus wegen hat man auf menschliche Mimik verzichtet. Nicht jedoch auf Dialog und Gesang. Dabei hätte es etwas Innovatives gehabt, hätte man darauf zur Gänze verzichtet oder zumindest auf einen Erzähler gesetzt. Gut möglich, dass wir uns in Zukunft an solche Filme gewöhnen. Für den Moment wirkt alles etwas befremdlich.

Im Grunde hat man sich zu einen Bild für Bild Remake entschieden. Die markanten Einstellungen sind größtenteils identisch zum Original. Allerdings dauert die neue Version eine halbe Stunde länger, bei gleichbleibender Storyline. Die Ergänzungen sind dem Film aber zu Gute zu halten. Die Geschichte ist jetzt stimmiger. Eine hinzugefügte Sequenz unterstreicht den Circle Of Life. Neben übertriebenem Flatulenzhumor gibt es eine amüsante Anspielung auf Die Schöne und das Biest. Gleichzeitig unterliegt aber ein Zeichentrickfilm anderen narrativen Gesetzen als ein „Realfilm“. Szenen wie die Stampede der Gnus und das Ende von Simbas Vater Mufasa wirken weniger glaubwürdig, weil die Landschaft jetzt komplexer ist. Muss er sterben, wenn es offenbar genügend Felsvorsprünge gibt? Das geht auf Kosten von Dramatik und Logik.

All das ordnet sich aber der Frage unter, welchen Mehrwert Der König der Löwen heute hat – neben dem technischen Aspekt. Es wird schwer sein, einen zu finden. Auf der emotionalen Ebene kann der Film nicht mehr leisten als sein Vorbild. Das spricht für die Zeichner der Urfassung. Was bleibt? Einen guten Stoff kann man nicht umbringen. Die Geschichte ist simpel, leicht verständlich und im Hinterkopf schwelgt die Erinnerung an das Original.

DER KÖNIG DER LÖWEN/ OV: THE LION KING | Jon Favreau | USA 2019 | 118 Min. |2.5 out of 5 stars

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FOTO: THE WALT DISNEY COMPANY

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