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Sommer 1996. Roland Emmerich sprengt das Weiße Haus in die Luft. Mit seinem Alien-Science-Fiction-Film Independence Day schafft der deutschstämmige Regisseur nicht nur den Durchbruch, sondern legt den Grundstein für eine Welle von Disastermovies mit patriotistischem Einschlag. Der Zerstörungswut ist Emmerich bis heute treu geblieben. Bei seinem neuesten Film Midway – Für die Freiheit muss man nicht lange warten, bis einem die Bomben um die Ohren fliegen.

Die Midwayinseln liegen genau zwischen Kalifornien und Japan. Daher kommt der Name. Sie umfassen eine Fläche von nur 6.2 km2 und hatten bis Anfang der 1990er Jahre eine immer wieder unterschiedliche strategische Bedeutung. Die Schlacht um Midway wird einigen aufgrund des gleichnamigen Filmes aus dem Jahr 1976 ein Begriff sein. Damals schaffte ein Allstar Ensemble mit Henry Fonda, Charlton Heston, James Coburn und Robert Mitchum die entscheidende Wende im Pazifikkrieg. Nachdem Angriff auf Pearl Harbor kam es im Juni 1942 hier zu einem zweiten Aufeinandertreffen der amerikanischen Marine und der kaiserlichen Marine Japans. Obwohl die Amerikaner stark in der Unterzahl waren, konnten sie durch eine erfolgreiche Geheimdienstarbeit die Schlacht für sich entscheiden.

Roland Emmerichs Erzählung setzt mit dem Moment des Überraschungsangriffes auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 ein, der den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg markiert. General Chester Nimitz (Woody Harrelson) wird durch den Geheimdienstoffizier Edwin T. Layton (Patrick Wilson) darüber informiert, dass der Angriff vorhersehbar war, es in Washington aber niemand wahrhaben wollte. Folglich möchte Nimitz einen solchen Fehler in Zukunft vermeiden. Verschlüsselte Geheimdienstinformationen lassen auf einen Angriff auf die Midwayinseln schließen. Es ist aber einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Zuständigen davon zu überzeugen. Der Film nimmt sich viel Zeit, um auf die Bedeutung der Geheimdienstarbeit für den Erfolg bei der Schlacht hinzuweisen.

Die 138 Minuten von Midway – Für die Freiheit vergehen wie im Flug. Obwohl der Ausgang bekannt ist und sich nie so wirklich ein Spannungsbogen etablieren kann. Die Dialoge bleiben unauffällig, genauso wie die schauspielerischen Leistungen. Im Mittelpunkt steht der Kampfpilot Richard Best (Ed Skrein), der wie seine Kollegen aus vollster Überzeugung für Demokratie und Frieden seine Einsätze fliegt. Keine Sekunde wird ein Zweifel daran gelassen, dass es sich hier um einen Kriegsfilm handelt. Sogar der Gegner wird als jemand dargestellt, der heldenhaft kämpft und ehrenvoll mit dem eigenen Schiff untergeht.

Der letzte Film, der sich mit einem militärischen Ereignis aus dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt hat, war Christopher Nolans Dunkirk. Beide Filme könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Dunkirk das Publikum mit seiner Erzählweise und den spektakulären Aufnahmen in Atem hält, wirkt die Inszenierung der Kampfszenen in Midway wie aus einen Computerspiel. Das hängt auch damit zusammen, dass hier nichts echt ist und der Greenscreen somit allgegenwärtig. Offenbar reichen heute 100 Millionen Dollar nicht mehr aus, um einen halbwegs realistisch wirkenden Film dieser Größenordnung zu machen.

Hinzu kommt, dass Midway in seiner Erzählweise in den 1990er Jahren steckengeblieben ist. Hier ist nichts innovativ. Es ist zu hoffen, dass diese Art von historischem Retrokino die Ausnahme bleibt. Bleibenden Eindruck hinterlässt Midway nämlich keinen und ist bei verlassen des Kinosaales schon fast wieder vergessen. Vielleicht wird es wieder Zeit, dass Roland Emmerich das Weiße Haus pulverisiert, eine Alieninvasion ist in nächster Zeit nämlich keine zu erwarten.

ROLAND EMMERICH | USA 2019 | 137 Min. | 2.5 out of 5 stars


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