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Orson Welles, einer der großen des US-Kinos, hatte Zeit seines Lebens zahlreiche Filme nie fertig gestellt. Das ist die Geschichte der Odyssee seines letzten Filmes The Other Side Of The Wind mit John Houston in der Hauptrolle. Die Netflix-Produktion ist ein Portrait einer tragischen Figur, die Hollywood erst zu fest umarmt und dann fallen gelassen hatte.

Was macht man, wenn sich einer der bedeutendsten Filmregisseure Hollywoods im eigenen Haus verschanzt und es dabei fast abfackelt? Peter Bogdanovich (The Last Picture Show, What’s up, Doc, Paper Moon) hatte seinem Freund Orson Welles sein Haus für die Dreharbeiten von The Other Side Of The Wind zu Verfügung gestellt, nachdem ihm das Geld für die Finanzierung ausgegangen war. Welles sollte mehr als drei Jahre bleiben.

Die Dreharbeiten zogen sich von 1970 bis 1976 und der Schnitt bis in die 1980er. Für den Regisseur der wichtigste Teil des Filmemachens. Welles konnte den Film nie fertig stellen. Er starb 1985. Genauso wenig wie viele seiner anderen Filme, die unvollendet blieben, auch weil er an seinen Ambitionen scheiterte. Diese Dokumentation versucht dem nachzugehen. Welles war nicht nur Perfektionist, er konnte sich darüber hinaus nicht von seinen Projekten trennen. Der Schluss war für ihn immer traurig, außer man hörte auf zu erzählen, bevor die Geschichte zu Ende war.

Mit nur 26 Jahren dreht er den Film, der von vielen als der beste aller Zeiten gesehen wird: Citizen Kane. Die Geschichte vom Zeitungsmagnaten mit dem berühmten letzten Wort lastete schwer auf seinen Schultern. Das verbindet ihn mit Peter Bogdanovich. Auch er hatte seine größten Erfolge in jungen Jahren. Später wurde beiden nicht mehr die Anerkennung zu teil, die sie verdient hätten. Welles fühlte sich verraten. Citizen Kane bezeichnete er als den größten Fluch seines Lebens.

In den 1980er endete die Produktion von The Other Side Of The Wind in einem Rechtsstreit. Durch eine Initiative von zahlreichen Filmschaffenden wie Wes Anderson und Noah Baumbach wurde er nun doch noch fertig gestellt. Diese Dokumentation ist nicht zufällig eine Netflix-Produktion. Der Streaming Dienst hat sich an die Vollendung von Orson Welles letztem Film gemacht. Ob Welles damit seine Freude gehabt hätte, sei dahingestellt. Das aus über 1000 Fragmenten zusammengesetzte Puzzle ist zumindest ein muss für jeden Cineasten (Filmbesprechung folgt). They’ll love me, when i’m dead, wie die Dokumentation im Original heißt, gibt auf jeden Fall einen spannenden Einblick in das Wesen eines passionierten Giganten der Filmgeschichte, für den jeder Tag, den er nicht auf dem Set war, ein verlorener war.

Morgan Neville | USA 2018 | 98 Min | 4 out of 5 stars

Foto © Netlfix

 

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