WILDLIFE von Paul Dano

Veränderungen können schmerzvoll sein und trotzdem etwas Positives bewirken. Die Hoffnung nach einem neuen und besseren Leben hat die Familie Brinson gerade nach Great Falls in Montana verschlagen. Es sind die frühen 1960er Jahre und die Rollenverteilung innerhalb der Familie ist noch klar vorgegeben. Die Mutter ist Hausfrau und der Vater bringt das Geld nach Hause. Als der Vater seinen Job verliert, muss der Sohn bald erkennen, dass es mit der Familienidylle unter der Oberfläche nicht weit her ist. Keiner seiner Eltern möchte sich mit der jeweiligen Situation abfinden.

Paul Dano (There will be blood, Love & Mercy) hat für seinen Regieerstling gemeinsam mit Zoe Kazan eine Vorlage von Richard Ford adaptiert. Schon in der ersten Einstellung wird klar, dass sie sich für die Zwischentöne interessieren. Manches bleibt lange verborgen hinter der Fassades des Einfamilienhauses. Den Figuren wird hier viel Raum und Zeit gegeben um sich zu entwickeln. Auch wenn man es erwarten würde, laut wird dieses Drama nie.

Jerry (Jake Gyllenhaal) arbeitet auf dem Golfplatz. Die Dienste, die er dort verrichten muss, erinnern aber eher an die eines Leibeigenen. Als er kurzerhand ohne nachvollziehbare Gründe gefeuert wird, stellt sich heraus, dass ihm nicht viel liegt an Prestige und daran die Rolle des Versorgers in der Familie zu übernehmen. Er entscheidet sich dazu, sich Tagelöhnern anzuschließen, die in den Wäldern Brände bekämpfen. Dass er nun für einige Monate weg sein wird und einen schlecht bezahlten und gefährlichen Job annimmt, begeistert seine Frau Jeannette (Carey Mulligan) wenig.  

So ist die Ausgangslage in Wildlife und der Fokus der Geschichte verschiebt sich folglich auf Jeannette und den Sohn Joe (Ed Oxenbould). Dano erzählt aus der Sicht von Joe, wie sich seine Mutter anfängt zu emanzipieren und aus den beengenden vier Wänden auszubrechen versucht. Es ist eine schmerzhafte Erfahrung für Joe. Die Kamera verweilt immer wieder auf ihm und seinen schockierten Blicken und man ahnt welche Abgründe sich für dem 13-Jährigen auftun.

Die Kameraarbeit von Diego García ist präzise und schön komponiert und stimmig. Dano beherrscht die visuelle Gestaltung ebenso wie die dramaturgische. Bei der Schauspielführung erweist er eine gute Hand. Mulligan und Oxenbould sind großartig.

Joe versucht am Ende seine Familie noch einmal zu vereinigen und diesen Moment festzuhalten. Seine Eltern befinden sich da aber schon in zwei unterschiedlichen Welten. Gesellschaftliche Normen und Geschlechterrollen sind schon längst im Umbruch. Wildlife zeigt uns aber kein Ende sondern einen Neubeginn.

PAUL DANO | USA 2018 | 104 Min. | 4 out of 5 stars

Leave a Comment