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Wenn Romy Schneider (Marie Bäumer) vom Hotelbalkon aus hinaus aufs Meer schaut, wirkt sie ganz in sich gekehrt aber in ihrem Inneren tost es wie an der Brandung am nicht weit entfernten Strand. Das Rauschen des Meeres wird über weite Strecken des Films allgegenwärtig sein. Es ist März 1981 und noch weiß niemand, dass es die letzten Monate von Romys bewegtem Leben sind und ein schwerer Schicksalsschlag noch bevor steht. Als sie sich in einer Szene nicht in der Lage sieht, den Anruf ihres Sohnes entgegenzunehmen, liegt darin rückblickend eine Tragik, genauso wie in ihrem strahlenden kindlichen Lächeln, das sich mit Tränen und tiefer Verzweiflung abwechselt.

Für ihren 14-jährigen Sohn befindet sich Romy zur Entgiftung in einem Kurhotel in Quiberon. Alleinsein hält sie nicht aus. So bestellt sie nicht nur ihre beste Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) aus Wien, sondern auch den Stern-Journalisten Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und Robert Lebeck (Charly Hübner), den Fotografen ihres Vertrauens, nach Frankreich.

Regisseurin Emily Atef hat die berühmt gewordenen Fotografien von Lebeck und das Stern-Interview als Inspiration genommen und rundherum eine Geschichte konstruiert. Die Fotos zeigen den Menschen hinter einem der größten Stars des europäischen Kinos. Mal traurig, mal lachend auf dem Boden kugelnd und in Schwarzweiß wie nun auch im Film.

Hilde merkt bald, dass Romy unter dem Einfluss von Alkohol und Tabletten die Situation nicht unter Kontrolle hat und sie von den beiden Männern für eine gute Story benutzt wird. Doch die hat längst beschlossen, sich vollkommen zu öffnen. Dass Hilde auf sie einzuwirken versucht, hilft da nichts mehr.

Die Koproduktion „3 Tage in Quiberon“ geht mit 10 Nominierungen in das Rennen um den Deutschen Filmpreis 2018. Bemerkenswert ist, dass alle vier Darsteller nominiert sind. Eine Würdigung der großartigen Ensembleleistung. Es ist für Marie Bäumer die Rolle ihres Lebens. Die ähnliche Physiognomie ist erstaunlich. Den Preis hätte sie sich verdient.

Ein Interview macht aber noch keinen ganzen Film. Die stimmigen Schwarzweißbilder und das tolle Schauspiel dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte, die rund um das Interview gebaut wurde, trotz Romys ambivalentem Charakter, wenig glaubwürdig ist. Michael Jürg erinnert sich heute an die Tage in Quiberon (Link siehe unten). Die dramaturgischen Überhöhungen tun dem Film nicht unbedingt gut.

Die Interviewsituation gibt auch einen Einblick in die damalige journalistische Arbeit. Kein Star würde sich heute in solch eine Lage begeben. Vieles ist heute undenkbar, auch die Berichterstattung, die Romy über die Jahre begleitet hat und aus ihrem Leben einen Skandal machte. Die Auflösung liefert der Film erst zum Schluss und zeigt die Abmachung, die eigentlich am Anfang gestanden ist und ohne die Romy dem Interview nicht zugestimmt hätte.

 

Emily Atef | D/Ö/F 2018 | 115 Min | 3 out of 5 stars

Link zum Nachhören.

„War ich wirklich so ein Kotzbrocken?“ Michael Jürg erinnert sich an seine damalige Begegnung mit Romy Schneider und erzählt wie es wirklich war.  → Talksendung im NDR

 

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