Während die Sonnenfinsternis gestern ohne nennenswerte Vorkommnisse über die Bühne gegangen ist, hat die Familie Platt mit dem kosmischen Ereignis in The End of Oak Street leider weniger Glück. Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchells Vorbilder sind unverkennbar. Leider gehen seiner Hommage an das 1980er-Jahre Kino schnell die Ideen aus. Und Achtung: Das hier ist kein locker lustiger Sommerblockbuster für die ganze Familie.
★★★ ½
Mit Anne Hathaway, Ewan McGregor, Christian Convery, Maisy Stella Regie David Robert Mitchell Ab 12 (nein, nicht wirklich) Länge 99 Minuten

Kurzkritik
Es gibt in diesem Jahr drei Kategorien von Filmen: Jene mit Anne Hathaway, jene mit Anne Hathaway und Zendaya und jene mit Zendaya. The End of Oak Street gehört zur ersten Kategorie. Es ist kein Ewan McGregor Film. Sorry Ewan. Warum? Dafür müsstet ihr euch den Film schon anschauen.
Anne Hathaway darf als Buchautorin ihre Familie vor bestialischen Dinosauriern beschützen, nachdem ihr gesamtes Grätzl über Nacht in die Prähistorische Zeit verpflanzt wurde und sich die Dinos nicht nur über die Mülltonnen hermachen. Angesichts der neuen Lage, treten innenfamiliäre Differenzen in den Hintergrund. Was zählt, ist der Zusammenhalt untereinander. Eine Ellen Ripley wird aber nicht aus ihr werden. Die Rolle liegt Anne Hathaway leider eher weniger.
Burschen auf Fahrrädern in feschen kurzen Shorts (Warum sind heute diese Sackhosen modern?), Reibereien unter den Cliquen und mit dem Nachbarn in der Vorstadt, Nachrichten aus dem Radio, keine Handys. Retro is chic. Da werden Erinnerungen an Filme von Steven Spielberg wach und genauso an Stranger Things. Untermalt von einem vertrauten Soundtrack von Michael Giacchino baut sich eine unheilvolle Spannung auf. Nach und nach ereignen sich unerklärliche Vorkommnisse bis schließlich nach gleißend hellen Lichtblitzen hinter dem Haus der prähistorische Urwald zu wachsen beginnt.
Persönlich finde ich es positiv, dass nicht die armen Haie als Bestien herhalten müssen, sondern die Dinosaurier. Wer eine Affinität für die Riesenechsen hat, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Sie sind ganz anständig animiert. Wobei es eher Riesenvögel heißen sollte. Denn die Dinos sind entsprechend der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse oftmals behaart oder haben Federn (Ist das im Jurassic World Franchise auch so?). Sie haben also weitaus weniger mit Reptilien gemeinsam, als jene Viecher im Jurassic Park.
Regisseur David Robert Mitchell, der mit It Follows 2014 das Horrorgenre in neue Bahnen gelenkt hatte und folglich eine Durststrecke erlitten hat, gehen leider bald die Ideen aus. Obwohl der Film nur eine Laufzeit von knapp 99 Minuten hat, also gut 30 Minuten weniger als vergleichbare Filme. The End of Oak Street wird ihn also auch nicht herausreißen. Aber wer weiß, vielleicht passt der Zeitpunkt und die durchwachsenen Kritiken locken genügend Publikum ins Kino.
Alsbald die Dinos los sind, passiert nicht mehr viel, was die Rahmenhandlung weiterbringt. Die ist überhaupt neben den plot holes die größte Schwäche diese Spektakels, dass apropos Horrorgenre, ganz schon brutal ist. Wie das zu einer Freigabe ab 12 Jahren geführt hat, ist rätselhaft. An Humor fehlt es Oak Street nämlich nahezu komplett.
Alles in allem eine Enttäuschung. Auch wenn wir es mit einem leichten Sommerblockbuster zu tun haben, fehlt es schlicht an Substanz. Die Stimmung nach der ersten Vorstellung heute war auch etwas gedämpft. Gut, dass sich die Dinos nicht mehr wehren können. Sonst gäbe es Homo Sapiens Ragù.
THE END OF OAK STREET (USA 2026),
Ab 12 (siehe oben) Länge 99 Minuten
Regie und Drehbuch David Robert Mitchell Kamera Mike Gioulakis Schnitt John Axelrad
Musik Michael Giacchino Mit Mit Anne Hathaway, Ewan McGregor, Christian Convery, Maisy Stella

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