„SHE’S A RAINBOW“ V’26 Journal/4

Einen der schönsten Filmmomente der diesjährigen Viennale beschert uns Nanni Moretti. Wir drücken weiterhin mit der Debut Card den Altersdurchschnitt und die Luft ist heuer erstaunlicherweise noch lange nicht draußen, trotz bisher 16 Filmen. Diesmal: berührende Dramen und krasse Performancekunst.

Obwohl Nanni Moretti in seinem jüngsten Film bis auf ein paar kurze Auftritte durch Abwesenheit glänzt, ist er doch in jeder Szene präsent. Er hat in Succederá questa notte seinen Figuren seine Worte in den Mund gelegt. Wenn Louis Garrel spricht, hören wir Moretti.


Es ist dem Gesundheitszustand von Nanni Moretti geschuldet, dass er erstmals in einem seiner Filme nicht die Hauptrolle spielt. Immerhin haben wir auf diese Weise trotzdem das Vergnügen, einen Film von ihm zu sehen und es ist erstaunlicherweise ein Liebesmelodram geworden. Matteo (Louis Garrel) trifft am Rande einer Hochzeit zufällig die frisch verheiratete Braut Greta (Jasmine Trinca) und er ist fortan überzeugt, sie sei die Richtige. Über mehrere Jahre werden sich ihre Wege immer wieder kreuzen und Matteo bleibt hartnäckig, trotz der anfangs ablehnenden Haltung Gretas.

In einem schönen Höhepunkt von Succederá questa notte tanzen Matteo und Greta in der leerstehenden Wohnung von dessen Vater vor einem Plattenregal zu She’s a Rainbow von den Rolling Stones. Im nächsten Moment tanzen sie auf der Straße mit Passanten weiter. Eine Szene voller Lebensfreude, die uns unweigerlich mitreißt.

Titel Succederá questa notte  Regie Nanni Moretti Vertrieb Panda Lichtspiele Filmverleih
Kinostart für Österreich noch nicht bekannt.

 Succederá questa notte, Nanni Moretti, Spanien, Frankreich, Italien 2026, Viennale Features

Die Geschichte von zwei grundverschiedenen Schülerinnen, die über ihr Talent Mangas zeichnen zu können, zu einander finden, war ursprünglich ein erfolgreiches Manga und kam im vergangenen Jahr als Anime in die Kinos. Koreeda Hirokazu bringt die berührende Geschichte nun als Realverfilmung auf die Leinwand.

Fujino (Natsuki Deguchi/Furi Nanase) und Kyomoto (Aju Makita/Rokka Okada) passen eigentlich überhaupt nicht zusammen. Konflikte sind vorprogrammiert. Wir verfolgen die Schicksale der beiden Mädchen bis ins Erwachsenenalter, bis zu einer herzzerreißenden dramatischen Wende. Doch der Film ist auch eine Lobeshymne an die Kraft der Fantasie, die scheinbar alles überwinden kann. Look Back ist einer der schönsten Filme des Jahres.

Titel Look Back/Rukku Bakku Regie Koreeda Hirokazu Vertrieb Filmladen Filmverleih
Kinostart Demnächst

Rukku Bakku, Look Back, Koreeda Hirokazu, Japan 2026, V’26 Features

Elsa (Daniela Marín Navarro) kehrt zur ihrer Familie nach San José in Costa Rica zurück, nachdem sie einige Zeit in Belgien gelebt hatte. Ihre Mutter Isabel (Marina de Tavira, Oscar nominiert für Alfonso Cuaron’s Roma) ist eine bekannte Autorin, die gerade dabei ist, sich von den Fesseln des familiären Daseins zu befreien und ihrer Karriere einen neuen Kick zu geben. Elsas Schwester Amalia (Mariangel Villegas) lebt wiederum zurückgezogen, ist orientierungslos und mit dem Leben überfordert. Zudem glaubt sie an Geister, die sie Nächtens aufsuchen. Da die Mutter keine Zeit für Amalia hat, versucht Elsa sich vermehrt um sie zu kümmern. Dabei wird sie zusehends verärgerter.

Siempre soy tu animal materno punktet nicht wegen der Geschichte selbst, sondern vor allem wegen der drei Hauptdarstellerinnen, die bei den Filmfestspielen in Cannes 2026 in der Reihe Un Certain Regard gemeinsam den Preis für die Beste Schauspielerin erhielten.

Titel Siempre soy tu animal materno Regie Valentina Maurel Weltvertrieb Heretic
Kinostart für Österreich noch nicht bekannt.

Siempre soy tu animal materno, Valentina Maurel, Belgien/Frankreich/Mexico 2026, V’26 Features

Nach Mond (V’24) von Kurdwin Ayub ist Florentina Holzinger in diesem Jahr neuerlich bei der Viennale zu bewundern. Erstmals sehen wir mit Eternity ein Stück ihrer Performancekunst auf der Leinwand. Eine Gruppe von Frauen rast eine Bergstraße Richtung Schweizer Gletscher hinauf. Nur mit Schuhen bekleidet begeben sie sich unter der prallen Sonne auf und unter das ewige Eis. Sie sind auf der Flucht vor einer patriarchalischen Welt, die voll von kriegerischen Auseinandersetzungen einer Klimakatastrophe entgegenschlittert und kurz vor dem Untergang steht.

Im Gartenbaukino werden wir unweigerlich hautnah und überlebensgroß mit den körperlichen Torturen konfrontiert, denen sich die Akteurinnen ausgesetzt haben. Eine Gelegenheit Holzingers Performancekunst abseits der Bühne zu erleben.

Das Gletscherstück, auf dem sie die Truppe abarbeitet, existiert heute nicht mehr. So wird die Apokalypse von Eternity ein Stück weit Realität.

Titel Eternity Regie Susanne Regina Meures Vertrieb Stadtkino Filmverleih
Kinostart für Österreich noch nicht bekannt.

Eternity, Susanne Regina Meures, Schweiz 2026, V’26 Features

MACHE DEIN WIEN-SIGHTSEEING ZUM CINEMATISCHEN ERLEBNIS!

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