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Im Vatikan gibt es immer genügend Fanta auf Vorrat. Es ist das Lieblingsgetränk des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Mit seinem Rücktritt hat der Papst im Jahr 2013 die ganze Welt überrascht. Der letzte Papst davor trat vor rund 500 Jahren zurück. Meist passierte das auf Druck von außen und nicht alters- oder gesundheitsbedingt. Benedikt XVI ist der zweite Papst, der freiwillig zurückgetreten ist, in der immerhin 2000 Jahre andauernden Geschichte des Pontifikats. So begibt es sich nun, dass im Vatikan zwei Päpste miteinander Fanta trinken können. Wieviel Leidenschaft bei seinem Nachfolger Franziskus dahinter steckt, ist nicht überliefert. So der so bietet diese außergewöhnliche Situation die Grundlage für Fernando Meirelles neuen Film Die zwei Päpste.

Die Handlung fokussiert sich auf das Jahr 2012, als Kardinal Jorge Bergoglio von Argentinien nach Rom reist, um dem Papst seinen Rücktritt anzubieten. Gesundheitlich angeschlagen, ist dies nicht unüblich, um einer möglichen Wahl zum Papst zuvorzukommen. Beim der letzten Konklave im Jahr 2005 erhielt Bergoglio laut Insiderinformationen (das Wahlergebnis ist geheim) 40 der 115 Stimmen. An sich galt seine Wahl als eher unwahrscheinlich, auch wegen des hohen Alters (Zur Zeit seiner Wahl war Bergoglio 76 Jahre alt und somit nur 10 Jahre jünger als Benedikt XVI). Außerdem wusste auch Bergoglio noch nichts von Papst Benedikts großen Plänen.

Benedikt hält seinen Besucher hin und möchte das Ansuchen partout nicht unterschreiben. Aus dem kurzen Besuch wird eine längere Begegnung, bei der sich die Beiden über Tage austauschen und ihre Positionen in Glaubensfragen diskutieren. In Die zwei Päpste vermischen sich dabei Realität und Fiktion. Allerdings wird der Film nur selten unglaubwürdig und stützt sich auf bekannte Positionen, Aussagen und Insiderwissen. Grundlage ist der Roman Die zwei Päpste: Franziskus und Benedikt und die Entscheidung, die alles veränderte von Antony McCarten, der auch das Drehbuch zum Film verfasst hat.

Der Film thematisiert, wenn auch teilweise nur kurz, die großen Probleme der katholischen Kirche der letzen Jahre, wie den Kindesmissbrauch oder den Skandal um die Vatikanbank. Der Jesuit Bergoglio ist ein großer Zweifler seiner selbst und in Rückblenden sieht man woher diese kommen. Nicht restlos geklärte Verstrickungen mit der Junta während der Militärdiktatur in Argentinien lasten auf seinen Schultern.

Getragen wird der Film aber von seinen formidablen Hauptdarstellern. Anthony Hopkins als Benedikt und Jonathan Pryce als Bergoglio geben ein traumhaftes Duo ab. Beide gehen ganz in ihren Rollen auf. Pryce hat nie die Anerkennung erfahren, die ihm zusteht und ist hier in der Rolle seines Lebens zu sehen. Hopkins knüpft an seine großen Erfolge an, die bereits lange zurück liegen. Es ist eine Freude, den beiden bei ihrem pointierten Schlagabtausch zuzuhören.

In der Originalversion sprechen die beiden Englisch miteinander. Auch sonst legte Regisseur Meirelles Wert darauf, das Sprachengemisch, in dem wir leben, möglichst realistisch darzustellen. So gibt es Passagen auf Deutsch, Latein, Spanisch und Latein. Selbst in der deutschen Fassung ist der Film daher nicht vollständig synchronisiert. Das und eingeschobenes Archivmaterial verleihen dem Film eine große Authentizität.

Die zwei Päpste ist unterhaltsam und auf eine gewisse Weise spannend zugleich. Auch wenn die Ereignisse und Positionen rund um dem Rücktritt selbst weniger Interessierten bekannt sein dürften, gibt der Film einen Einblick in ein Amt, das keiner inne haben möchte und versucht den Menschen hinter den dicken Mauern des Vatikans näher zu kommen. Netflix ist in diesem Jahr zum wiederholten Mal ein Glücksgriff gelungen, wobei man schon davon sprechen muss, dass System dahinter steckt, hochqualitative Unterhaltung zu produzieren.

Die zwei Päpste (OT: The two Popes) | Fernando Meirelles | UK/USA/IT/ARG | 126 Min. | 4.5 out of 5 stars


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