Szene aus Hamnet

„HAMNET“ Filmkritik: Bewegendes Drama um William Shakespeare aus der Sicht seiner Ehefrau.

★★★★

Mit Jessie Buckley, Paul Mescal Regie Chloé Zhao
Ab 14 Länge 125 Min

Chloé Zhao verfilmt einen Roman von Maggie O’Farrell aus dem Jahr 2020, indem der Pesttod eines Kindes von William Shakespeare und seiner Ehefrau Anne in den fiktiven Kontext der Entstehungsgeschichte von Hamlet gesetzt wird. Sehr berührend und großartig gespielt von Jessie Buckley und Paul Mescal.

Szene aus Hamnet

Kurzkritik

Über William Shakespeares Leben sind relativ wenige Fakten überliefert. Viel Wissen beruht auf Vermutungen, was nicht ungewöhnlich ist für einen Mann des 16. Jahrhunderts, der zu Lebzeiten natürlich nicht die Berühmtheit hatte so wie heute. Mal abgesehen davon, dass es Debatten darüber gibt, ob sein Werk nicht überhaupt einem Künstlerkollektiv zuzuschreiben ist.

Nicht eindeutig überliefet ist naturgemäß auch die Ehe mit Anne Hathaway, mit der er vermutlich drei Kinder hatte, wovon eines mit 11 Jahren an der Pest starb. Nichts desto trotz hat Maggie O’Farrell um den Sohn Hamnet diese berührende Geschichte konstruiert.

Shakespeare hat sich in dieser Zeit bereits in London befunden. Seine Familie blieb im Geburtsort Stratford-upon-Avon zurück. Als der Sohn stirbt ist der Vater nicht da. Ein erschütternder Moment (noch verstärkt durch einen dramaturgischen Kniff). Die Mutter ist natürlich verzweifelt. Das hält sie ihm dann auch vor und versteht nicht, wie er in London leben kann. Selbst in ihrer Gegenwart kann er seine Trauer nicht ausleben.

Als Anne erfährt, dass William das Stück „Hamlet“ aufführen wird, begibt sie sich doch nach London, um ihren Mann im Globe Theatre auf der Bühne zu sehen. In diesem Moment versteht sie, wie er die Trauer um den Sohn in jeder Zeile Text verarbeitet hat.

HAMNET beschäftigt sich nicht nur mit den Themen Trauer und Verlust, sondern auch damit, wie sie in der Kunst verarbeitet werden. Der Film zeigt Anne als naturverbundenen Menschen – sie bringt das erste Kind im Wald zur Welt – der in einer anderen Welt lebt als ihr Mann, den es in die Stadt zieht. Am Land haben sie ein großes Haus. In London wohnt Shakespeare in einer Dachkammer. Am Ende kommen sie über das Theater zusammenkommen. Das ist ein schöner Gedanke.

Dank der beiden großartigen Hauptdarsteller Buckley und Mescal driftet die Geschichte trotz aller Spekulationen nicht all zu sehr in Kitsch ab. Wir fühlen mit ihnen, auch wenn die beiden das spielen was wir schon kennen, sie aber einfach am Besten können. HAMNET zielt messerscharf auf unsere innersten Gefühle und gerade gegen Ende wird wohl kaum ein Auge trocken bleiben.

Hamnet (UK 2025)
Ab 14 Länge 125 Min.
Regie Chloé Chaos Drehbuch Chloé Zhao, Maggie O’Farrell Kamera Łukasz Żal Schnitt Affonso Gonçalve, Chloé Zhao Musik Max Richter Mit Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson

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