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Was es bedeutet, wenn eine der besten Tennisspielerinnen der Welt gegen einen alten chauvinistischen Selbstdarsteller, formals Tennisprofi, ein Match gewinnt, versuchen die Regisseure von „Little Miss Sunshine“ Valerie Faris und Jonathan Dayton in „Battle of the Sexes“ zu ergründen.

Es ist das Jahr 1970 und Billie Jean King (Emma Stone), bis heute eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen der Welt, prangert die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern bei den Preisgeldern im Tennis an. Sehr zum Missfallen der Männer, die auch hinter den Kulissen den Sport dominieren, gründet sie mit einigen anderen Spielerinnnen der Tenniselite die Virginia Slim Series. 1973 war King Mitbegründerin der Women Tennis Association (WTA) in London. Die Männer wollten die Frauen nicht in ihrem Verband aufnehmen.

Der Film vermischt diese Ereignisse und konzentriert sich auf die titelgebenden Battle of Sexes. Bobby Riggs (Steve Carell), ein ehemaliger Tennisspieler und nunmehriger Selbstdarsteller, forderte Margaret Smith Court (Jessica McNamee) 1973 zur ersten „Battle heraus. Sie gilt auch heute noch als erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten und war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Riggs gewann und das Match war fortan als „Muttertagsmassaker“ bekannt.

In die Geschichte eingegangen ist allerdings sein Duell mit Billie Jean King ein paar Monate später. Erst weigerte sich King, ließ sich dann aber doch auf ein Match ein. 30.000 Zusehern verfolgten das Ereignis Live vor Ort, 90 Millionen vor den Fernsehgeräten. Ein Spektakel.

King und Riggs und ihre Begegnung am Court stehen im Zentrum der Geschichte. Riggs hat die Lacher auf seiner Seite. Nichts ist ihm peinlich genug, wenn der notorische Glücksspieler nur die nötige mediale Aufmerksamkeit dafür bekommt. Sein Frauenbild ist mehr als bedenklich. Paralellen zu Trump sind Zufall. Mit den politischen Entwicklungen in den USA konnten die Macher des Films nicht rechnen.

Billie Jean King hat das Match in drei Sätzen (6:4, 6:3, 6:3) gegen den fast doppelt so alten Riggs gewonnen. Was genau die Folgen waren, nachdem die aktuell beste Tennisspielerin gegen einen Gegner gewann, der 34 Jahre zuvor das Herreneinzel in Wimbledon gewinnen konnte, bleiben die Regisseure schuldig. Die Bedeutung dieser Begegnung für die Entwicklung der Preisgelder oder Kings Rolle bei der Gründung der WTA werden nicht deutlich.

Für King ging ihr Kampf weit über die Tenniswelt hinaus. Ihr Traum waren Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Freiheit. Kings Verhältnis zu einer Frau bleibt nicht ausgespart aber insgesamt werden einfach zu viele Themen angerissen. „Battle of Sexes“ möchte vieles sein.
Dabei wartet man nur darauf, was für Blödheiten sich Riggs als nächstes einfallen lässt. So bleibt der Film eine unterhaltsame Gesellschaftssatire mit feministischem Touch. Immerhin erinnert der Film an eine kuriose Episode der Tennisgeschichte und eine bedeutende Persönlichkeit im Kampf um die Gleichberechtigung. Es hätte aber viel mehr sein können. Die Voraussetzungen wären mit solch großartigen Darstellerinnen gegeben gewesen.

Es gibt übrigens Indizien dafür, dass Bobby Riggs gegen sich selbst wettete, um seine Spielschulden zu begleichen und den Schaukampf absichtlich verloren hatte.

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Valerie Faris, Jonathan Dayton USA 2017 121 Min.

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