Zum Abschluss noch einmal zwei Filme aus dem diesjährigen Programm: Der Gewinner der Goldenen Palme von Regisseur Cristian Mungiu und der neue Film von Tizza Covi und Rainer Frimmel. Zudem ein kleines Resümee der Viennale 2026: Es ist nicht möglich, Pfefferminzbonbons im selben Ausmaß wie Dragee Keksi zu essen.
Die 13. Tage des Festivals sind in diesem Jahr schnell vergangen und im Gegensatz zu früheren Jahren war noch lange keine Sättigung erreicht. Das ist an sich ein gutes Zeichen.
Die große Neuerung für uns war die Viennale Debut Card für 14- bis 19-jährige. Mit einem filmaffinen Papa kommt man daran natürlich nicht vorbei. Wie man gerade auf diese Auswahl an Filmen gekommen ist, sei dahingestellt. Der Fokus lag jedenfalls eindeutig auf coming-of-age Dramen. Wenn man schon das Festival besucht, hinderte das natürlich nicht daran, auch Filme abseits des zusammengestellten Programmes zu sehen.
Unsere Tochter hat ihre Debut Card jedenfalls jedesmal voller Stolz vorgezeigt und ich müsste mich schon sehr irren, wenn es da im kommenden Jahr keine Wiederholung gäbe. Die Filme wurden unterschiedlich aufgenommen. La Gradiva war ganz fruchtbar. Das macht mich wiederum neugierig.
Interessant wäre zu wissen, wie die Karte angekommen ist. Die Bestellung auf der Webseite gestaltete sich als herausfordernd (davon kann man sich noch heute überzeugen). Das muss man also schon wirklich wollen. Weitere Besucher*innen in der Altersgruppe sind zumindest mir kaum aufgefallen.
Wild Horse Nine und Minotaur würde ich als Höhepunkte hervorheben. Die Blutgräfin hat bei mir nur innerliches Kopfschütteln hervorgerufen.
Alles in allem schöne Momente, eine gute Stimmung und Filme, an die man sich gerne zurückerinnert. Es war die 19. Viennale für mich. 2027 steht ein Jubiläum an! Nun zu den Filmen:
Mihai (Sebastian Stan) und Lisbet (Renate Reinsve) sind ein norwegisch-rumänisches Ehepaar und lassen sich mit ihrem fünf Kindern am Ende eines Fjords nieder. Sie sind streng evangelikal, werden aber in der kirchlichen Gemeinde genauso gut aufgenommen, wie in der Nachbarschaft.
Als eine Lehrkraft bei einem der Kinder Spuren einer möglichen Gewalteinwirkung bemerkt, wird das Jugendamt eingeschaltet und eine Maschinerie in Bewegung gesetzt, die einem strengen Protokoll folgt und null Toleranz kennt. Bis zur Aufklärung kommen alle Kinder zu Pflegeeltern. Den Eltern droht sowohl eine zivilrechtliche, als auch eine strafrechtliche Anklage.
Das Kunststück von Fjord besteht darin, dass es uns als Publikum so gut wie unmöglich ist, Stellung zu beziehen. Regisseur Cristian Mungiu geht es auch nicht darum, alles restlos aufzuklären, sondern zwei Welten aufeinander prallen zu lassen. Auf der einen Seite eine Familie, die nicht nur streng gläubig ist, sondern Erziehungsmethoden und eine Lebensweise verfolgen, die uns fremd sind. Auf der anderen Seite ein Staat, der seine progressive Einstellung auf die Spitze treibt. Steht die Fürsorge im Vordergrund oder schießt er über sein Ziel hinaus? Entscheidet selbst!
Titel Fjord Regie Cristian Mungiu Vertrieb Alamode Film Österreich Kinostart 7. Jänner 2027

Al Cook hat sein gesamtes Leben dem Blues verschrieben. Bereits Ende der 1950er Jahre, so sagt er, hat er der Populärkultur den Rücken gekehrt. Nun lebt er als letzter Mieter in einem alten Haus, das geräumt und abgerissen werden soll. Al weigert sich aber, die Wohnung zu verlassen, in der er 1945 geboren wurde.
Tizza Covi und Rainer Frimmel zeichnen ein liebevolles Portrait einer ungewöhnlichen Persönlichkeit, die in ihrem eigenen Mikrokosmos lebt. In ihrer unvergleichlichen Art nähern sich das Duo in einer Mischung aus Dokumentation und Spielhandlung dem Wiener Original an.
Am Ende überlegt Al Cook doch einmal in die USA zu reisen. Er war nie dort. Seine Blues-Vorbilder sind heute aber längst gestorben.
Titel The Loneliest Man in Town Regie Tizza Covi, Rainer Frimmel Vertrieb Stadtkino Filmverleih Kinostart 13. November 2026


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