BladeRunner2049

7 Versionen gibt es von Ridley Scotts Blade Runner. Von einer Preview Fassung über einen Director‘s Cut (der eigentlich keiner ist) bis hin zum Final Cut, jener Version, mit der Ridley Scott letztendlich zufrieden war. Die Frage, ob Rick Deckard nun ein Replikant ist (so heißen die menschenähnlichen Roboter) oder nicht, stellte sich in aller Deutlichkeit weder in der Vorlage von Philip K. Dick, noch in der ersten Kinofassung. Scott hatte Hinweise erst in spätere Versionen geschnitten, was in der Fangemeinde zu allerhand Spekulationen führte. 

Auch retrospektiv vermag Blade Runner zu faszinieren. Die Magie der Bilder dieser dem Zeitgeist ensprechenden dystopischen Welt, die tolle Musik von Vangelis und der spannungerzeugenden Finsternis, in der überall Gefahren und schräge Gestalten lauern. Diese Finsternis war auch der begrenzten technischen Machbarkeit geschuldet. Heute ist scheinbar alles möglich, stilisische Verweise aus dem großen Pool der Filmgeschichte sind jederzeit möglich. Alles ist hell. Alles wird gezeigt, weil es gezeigt werden kann. Die Magie liegt heute anderswo. Meist muss man sie lange suchen.

Blade Runner war innovativ. Neben einer bahnbrechenden Ästhetik, die das SciFi Kino bis heute beeinflußt, hat der Film also auch einen Mythos begründet und auf diesem baut nun die Fortsetzung von Denis Villeneuve auf.

Es ist tatsächlich eine Fortschreibung der Geschichte. Das Drehbuch verfasste neuerlich Hampton Francher. Das gesamte Team um Villeneuve näherte sich mit Respekt dem Original, bricht aber sofort mit dem visuellen Stil und mit dem Motiv der Hauptfigur. Blade Runner K (Ryan Gosling) ist ein Replikant und befindet sich in einer hellen postapokalyptischen Wüste. Dem wohltuend langsamen Erzählrythmus ist man treu geblieben. Es gibt ein wenig mehr Action Szenen, sie bleiben aber wohl dosiert. Auf den Soundtrack von Vangelis muss man verzichten. Hans Zimmer gelingt es leider nicht, an den prägenden Sound anzuschließen.

Über den Inhalt sei nicht mehr verraten als ohnehin bekannt ist. K trifft auf den untergetauchten Deckard, abermals gespielt von Harrison Ford. Die zentralen Fragen „Woher komme ich?“ und „Kann ich meinen Erinnerungen trauen?“ durchziehen auch die Fortsetzung. Hologramme sind Bestandteil des Alltags. Ana de Armas als Joi ist das ganz persönliche Hologramm von K und erfüllt es auf erstaunliche Weise mit Leben. Jared Leto ist Niander Wallace, der unheimliche Übervater aller Replikanten, der die Tyrell Corporation übernommen hat. 

Was bleibt nach über 160 Minuten (damit ist die Fortsetzung gut eine Stunde länger als der Vorgänger)? Man möchte nicht, dass es zu Ende geht und das ist nicht zuletzt den traumhafen Bildern von Kameramann Roger Deakins zu verdanken. Blade Runner 2049 entwickelt diese Sogwirkung, die das Publikum mitreißt und zum Nachdenken anregt. Der Film macht übrigens mehr Freude, wenn man sich vorher nochmals die Geschichte in Erinnerung ruft. Es gibt zahlreiche Verweise an das Original. Villeneuve hat die heikle Mission gut gemeistert. Ihm ist ein würdiger Nachfolger gelungen.

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Denis Villeneuve USA 2017 164 Min.

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