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Schon einmal von einem dickbauchigen Superhelden mit rotem Umhang und weißen Unterhosen gehört? Wahrscheinlich nicht. Zum Kinostart war die Comicvorlage zum nun angelaufenen Film selbst in größeren Buchhandlungen nur auf Bestellung zu bekommen und im Fachhandel wusste man vom nahenden Filmstart, kannte aber die Vorlage nicht. Demensprechend unbemerkt läuft das erste Abenteuer von Captain Underpants seit Mitte Oktober bei uns in den Kinos.

Gleich vorweg: Die Bücher von Autor Dav Pilkey rangieren auf den Bestsellerlisten gleich hinter Harry Potter. Allein die Bücher der Captain Underpants Reihe wurden bisher über 70 Millionen Mal verkauft.

Die Comics handeln von George und Harold, zwei Viertklässlern, dem Schrecken des gesamten Lehrerzimmers. Ihre Streiche und Comichefte treiben sie zur Verzweiflung, insbesondere den Schulleiter Mr. Krupp. Eines Tages verwandeln ihn die zwei Schlawiner mittels magischem 3-D-Hypnose-Ring in die von ihnen erdachte Comicfigur Captain Underpants. Mr. Krupp macht sich folglich auf, die Welt zu retten, vor Dr. Poopypant und schnappenden Klo-Schüsseln.

Der Humor von Captain Underpants ist grob und respektlos. Liest man die Comics, greift man sich zuerst angesichts der Schwachsinnigkeiten auf den Kopf. Beim Zielpublikum 6+ kommen die Ideen von George und Harold, die man gelinde gesagt als verhaltensauffällig bezeichnen kann, gut an. Auch wenn es den Wortwitz von Pilkey nicht immer ganz durchschaut. Dazu muss man wissen, das Pilkey sich diese Geschichten selbst als Volkschüler in der Zeit, die er zur Strafe für unangemessenes Verhalten auf dem Gang verbringen musste, ausgedacht hat. Bei Pilkey wurde ADHS diagnostiziert. Parallelen zu seinen beiden Helden sind kein Zufall.

Hinter den Abenteuern von George und Harold verbirgt sich aber eine ernste Botschaft und das ist eine Kritik am öffentlichen amerikanischen Schulsystem. Das wird in der Verfilmung noch mehr deutlich. Langweiliger Frontalunterricht von unterbezahlten Lehrern bringt desinteressierte und traurige Kinder hervor. In der Fantasiewelt aber ist der Schulleiter ein fröhlicher Held und kein griesgrämiger kolerischer Kinderhasser.

Aus Kostengründen hat Dreamworks die Produktion an das Studio Mikros Image in Montreal ausgelagert. Damit bestreitet man neue Wege, denn selbst die Budgets von Animationsfilmen gehen bereits in die hunderte Millionen. Das hat auch eine Änderung im visuellen Stil von Dreamworks zur Folge. Knall bunt ist Captain Underpants geworden und beinhaltet neben der Computeranimation eine handgezeichnete Sequenz, reale Sockenpuppen und das aus den Büchern bekannte Flip-O-Rama. Damit wird betont, dass die Geschichte der Fantasie der beiden Kinder entsprungen ist.

Der Film ist eine gelungene Umsetzung der subversiven Vorlage. Harold und George muss man einfach mögen. Auch wenn zum Finale hin etwas die Luft draußen ist, steckt die Liebe im Detail.

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David Soren USA 2017 89 Min.

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