„NAZA“ Filmkritik: Sagen, was gesagt werden muss.

★★★★ ½

Regie Yuval Abraham, Rache Szor
Ab 16 Länge 80 Minuten

Basierend auf fundierten Recherchen der britischen Tageszeitung The Guardian und hebräischen Nachrichtenportalen interviewte das für NO OTHER LAND mit einem Oscar prämierte Regieduo Yuval Abraham und Rachel Szor 24 am israelischen Vergeltungsangriff auf Gaza beteiligte Soldaten und Geheimdienst Mitarbeiter. NAZA ist ein erschütterndes Zeitdokument, das längst bekannte Fakten über die Vorgehensweise des israelischen Militärs durch die weitreichende Resonanz des Dokumentarfilmes einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein ruft.

Kurzkritik

Häuserdächer in der Nacht. Die Interviewpartner abgedunkelt und die Stimmen digital verfremdet. Im Hintergrund Tel Aviv, das sich nur wenige Kilometer von Gaza entfernt befindet. Das ist das Setting, in dem Yuval Abraham die Interviews führt. So gekonnt dies auch in Szene gesetzt ist, unterbrochen durch TV-Ausschnitte und Blicke in die Wohnungen der angrenzenden Wohnblöcke, ist die Anonymität gleichzeitig die größte Schwachstelle von NAZA. Auch wenn die Aussagen mehrfach gegengecheckt wurden und somit als belegt gelten dürfen. Das Publikum schützt diese Distanz keineswegs vor der emotionalen Erschütterung, die bis nach dem Nachspann nachwirken wird.

Die offenen Schilderungen der systematischen Vorgehensweise bei der Zerstörung des Gaza Streifens, lassen uns fassungslos zurück. Naza bestimmt dabei bei einem Angriff die Zahl der möglichen unschuldigen Opfer. Zusammengerechnet übersteigt dieser Kollateralschaden bereits die gesamte Einwohnerzahl des Gaza Streifens.

Die systematische Verwüstung wird möglich durch KI-gesteuerte Handyüberwachung, bei der die komplette Kontrolle über die Mobiltelefone übernommen werden konnte. So wurde der Zugriff auf den Standort, private Kommunikation und die eingebaute Kamera möglich.

Der Auftrag der Regierung lag nicht nur in der Tötung von mutmaßlichen Hamas Mitgliedern, sondern weiters in der Zerstörung sämtliche Gebäude, die in einem Raster in Sektoren eingeteilt wurden. Angeordnet von Benjamin Netanjahu, der laut seiner Eigendefinition als Terrorist gelten müsste (Die Filmemacher spielen einen Kommentar von ihm ein, in dem er seine Vorstellung von Terrorismus definiert).

Die palästinensische Seite kommt nicht zu Wort. Ebenso gibt es keine Filmaufnahmen aus dem Gazastreifen. Bis zu den letzten Minuten. Dann werden zerstörte Häuser gezeigt, verzweifelte Menschen, die ihre Angehörigen in Schuttbergen suchen und verschüttete Leichen. Wohl kaum jemand, der sich in eine Vorstellung von NAZA setzt, braucht diese dramaturgische Steigerung. Die 70 Minuten davor sind schwer genug zu ertragen.

NAZA sagt, was gesagt werden muss. Auch die fraglichen Hintergründe betreffend, wie es zum Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 kommen konnte. Die systematische Überwachung des Gaza Streifens gab es schon davor. Der israelische Geheimdienst war vor Ort präsent und ließ andere Strukturen daneben erst gar nicht aufkommen.

Nicht weniger erschreckend als das Ausmaß des Krieges selbst, ist die Rolle von künstlicher Intelligenz, die erstmals in diesem Ausmaß bei einer kriegerischen Auseinandersetzung zum Einsatz kam und für zukünftige Konflikte nichts Gutes verheißt.

NAZA (UK 2026),
Ab 16 Länge 80 Minuten
Regie Yuval Abraham, Rache Szor Kamera Rachel Szor und anonyme Person(en) Schnitt Yuval Abraham, Rachel Szor, Harry Davies


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