Am Ende hat sich doch ONE BATTLE AFTER ANOTHER gegen SINNERS durchgesetzt. Es war ein launiger Abend mit ein paar Neuerungen und einer der längsten der jüngsten Zeit. In mancherlei Hinsicht betreibt Hollywood Realitätsverweigerung, wenn auch es ein politischer Abend wie schon lang nicht mehr war. Im Gartenbaukino darf man aus lizenzrechtlichen nicht mehr Oscars sagen.
Neu war, dass die AMPAS-Mitglieder fortan alle nominierten Filme in jeder Kategorie ansehen müssen, um sich an der finalen Abstimmung über die Oscar-Gewinner zu beteiligen. Ob das einen Einfluss auf das Ergebnis hat, werden wir wohl nie erfahren. Auf jeden Fall war über die Jahre immer Thema, ob die Mitglieder die Filme überhaupt gesehen hatten oder sich eher durch Favoritenrollen und Kampagnen beeinflussen ließen.

Darüber hinaus wurde eine neue Preiskategorie für das Beste Casting („Achievement in Casting“) eingeführt. Es wurde Cassandra Kulukundis für SINNERS ausgezeichnet.

KI wird offiziell anerkannt, nachdem es im vergangenen Jahr noch für Aufsehen gesorgt hat, dass KI Modelle EMILIA PÉREZ und THE BRUTALIST zu Einsatz gekommen sind. Ein Plädoyer für mehr Sensibilität und Wertschätzung für die Kunst kam von Chris Appelhans, der für KPOP DEMON HUNTERS ausgezeichnet wurde.
Michael B. Jordan war spät in die Favoritenrolle gerutscht und konnte sich für seine Doppelrolle in SINNERS verdient über den Preis freuen. Es tut der Qualität der einzelnen Filme wie immer keinen Abbruch aber damit hat er den Vampir-Horrorfilm von Ryan Coogler im Ranking vor einem Totalabsturz bewahrt. Von der Rekordzahl an 16 Nominierungen konnten nur vier als Sieg verbucht werden. Darunter erstmals in der beinahe 100 jährigen Geschichte der Academy Awards der Preis für eine Kamerafrau an Autumn Durald Arkapaw.
Der große Verlierer war MARTY SUPREME, der leer ausging, obwohl Timothée Chalamet mit seiner bereits dritten Nominierung lange als aussichtsreicher Kandidat gegolten hatte.
Sean Penn gehört nun zu den wenigen Schauspielern, die drei Oscars ihr eigen nennen dürfen. Es dürfte ihm reichlich egal sein. Jesse Buckley fuhr einen Start-Ziel-Sieg ein und wurde als Beste Hauptdarstellerin für HAMNET ausgezeichnet.
Die Politshow
Ein paar Seitenhiebe auf die aktuelle politische Situation in den USA kamen von Moderator Conan O’Brien, ebenso von Jimmy Kimmel. Darüber hinaus brachte Javier Bardem seinen Unmut gegen den Iran Krieg zum Ausdruck, ebenso wie einen „Free Palastine“ Appell. David Borenstein, als Koregisseur ausgezeichnet für den Dokumentarfilm MR. NOBODY AGAINST PUTIN, mahnte zur Vorsicht, wenn Staaten in kleinen kaum merkbaren Schritten in den Totalitarismus abgleiten. Die USA sind mitgemeint.

Im Memoriam
In diesem Jahr gelang endlich ein lange überfälliges würdevolles Gedenken an in diesem Jahr verstorbene Branchenkolleg*innen. Das war in den vergangenen Jahren immer wieder desaströs missglückt. Mehr Zeit und persönliche Erinnerungen vor allem an Robert Redford, Diane Keaton, Rob Reiner und Michele Singer durch Wegbegleiterinnen wie Barbara Streisand. Auf Brigitte Bardot hatte man allerdings vergessen.

Der Triumph
Bevor es zum großen Finale kam, wurde Joachim Trier für SENTIMENTAL VALUE ausgezeichnet und das wie immer in einer Kategorie mit starker Konkurrenz.
Der große Gewinner des Abends war Paul Thomas Anderson, der für ONE BATTLE AFTER ANOTHER drei Statuetten mit nach Hause nehmen durfte.
Es war ein spannender und kurzweiliger Abend, auch wenn alles wie ein großes Durcheinander wirkte und jegliche Struktur vermissen lies. Was bei einer solchen Produktion doch immer wieder aufs Neue erstaunlich ist.
Angesichts dessen, dass vieles in Hollywood im Umbruch ist, da es nicht nur zu gröberen Machtverschiebungen kommen wird, sondern Los Angeles als Ort für Filmproduktionen immer mehr billigere Konkurrenz in Übersee bekommt, wird man dem Synonym Traumfabrik mehr als gerecht. Trotz eines Gewinners mir klarer politischer Botschaft.

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