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Selbst wenn sich wohl kein Land der Welt bezüglich seiner Flüchtlingspolitik in den Spiegel schauen kann, so ist der Umgang Australiens mit Menschen auf der Flucht gelinde gesagt berüchtigt. So mancher Politiker hierzulande liebäugelt mit den dortigen Methoden. Aktuell werden Flüchtlinge in Lagern auf Inseln untergebracht. Anwälte und Menschenrechtsorganisationen haben erschwerten Zugang. Stateless handelt von einem Lager in der Wüste im Süden des Landes, in dem die Insassen die Zeit ihres Visaverfahrens absitzen müssen. Darunter befindet sich eine deutsche Staatsbürgerin mit einer permanenten Aufenthaltserlaubnis für Australien. Unglaublich aber es handelt sich um eine wahre Geschichte. Die Miniserie prangert die unmenschlichen Methoden der australischen Behörden an und ist eine Herzensangelegenheit von Produzentin Cate Blanchett.

Darum geht es

Die Flugbegleiterin Sofie Werner (Yvonne Strahovski) flüchtet vor der Bevormundung ihrer Familie in die Arme einer Sekte. Auch dort wird der geistig verwirrten Frau bald alles zu viel und auf der Flucht wird sie von der Einwanderungsbehörde aufgegriffen. Da sie sich nicht ausweisen kann, kommt sie in ein Lager.

Im Internierungslager laufen die Handlungsstränge von drei weiteren ProtagonistInnen zusammen. Der afghanische Flüchtling Ameer (Fayssal Bazzi) wartet mit seiner Tochter auf einen Aufenthaltstitel. Die Behörden sind bemüht, in seiner Fluchtgeschichte Ungereimtheiten zu finden, um ihnen die Aufnahme verweigern zu können. Cam (Jai Courtney) hat gerade einen Job als Aufseher angenommen und ist hin und her gerissen zwischen seinen Pflichten und seinem Gewissen. Seine Schwester ist eine jener AktivistInnen, die gegen das Lager protestieren. Da sich die Probleme mehren, wird die Regierungsbeamtin Clare (Asher Keddie) von der Regierung eingesetzt, um Ordnung zu schaffen. Die Lage spitzt sich zu, denn die Vorgaben der Behörde lassen sich mit humanitären Standards nicht vereinbaren.

Kommentar

Bereits seit der Öffnung des Baxter Internierungslagers (das als Vorlage für die Netflix Miniserie dient) im Jahr 2002, kam es immer wieder zu Protesten und Revolten. Mehrere Menschenrechtsverletzungen führten zu anhaltenden Protesten vor dem Lager und zu dessen Schliessung im Jahr 2007. In den Jahren 2004/2005 wurde die deutschstämmige Flugbegleiterin Cornelia Rau für etwa zehn Monate versehentlich interniert. Rau verschwand im März 2004 aus einem Krankenhaus für psychische Erkrankungen in Sydney. Sie gab ihre wahre Identität nicht Preis und wurde daher von der australischen Einwanderungsbehörde als illegale Einwandererin eingestuft. Die Figur Sofie Werner beruht auf Cornelia Rau.

Stateless zeigt die unmenschlichen Methoden des australischen Asylsystems, zu einer Zeit bevor Flüchtlinge auf Inseln untergebracht wurden. Die Schicksale der Charaktere werden geschickt miteinander verwoben. Man bekommt einen bedrückenden Einblick über den Alltag in einem Lager. Existenzielle Verzweiflung steht inneren Gewissenskonflikten und der kalten Bürokratie gegenüber. Der Staat legt die Rechtslage zum eigenen Vorteil aus. Während Menschenrechte im Lager nichts Wert sind, verhindert der Datenschutz, Informationen über die Insassen zu erlagen.

Streamingdienst

Netflix


STATELESS | AUSTRALIEN 2020 | 6 EPISODEN | 3.5 out of 5 stars



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