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Ein weiteres aussergewöhnliches Regiedebüt aus dem Jahr 2020 kommt von Radha Blank. In ihrem semi-autobiographischen Film Mein 40-jähriges Ich spielt sie eine Dramatikerin mit gleichem Namen, sozusagen eine Version ihrer selbst und beschreibt die Tiefen einer künstlerischen Existenz zwischen Frau sein und Schwarz sein auf eine humoristische Weise und einem hohen Grad an Authentizität. Beim Sundance Filmfestival erhielt sie dafür den Regiepreis.

Darum geht es

Die Dramatikerin Radha (Radha Blank) steht kurz vor ihrem 40. Geburtstag. Große Erfolge liegen lang zurück. Einst war sie eines der vielversprechendsten Talente unter 30 (von dieser Auszeichung zehrt sie noch heute). Nun befindet sie sich in einer Sinnkrise. Der Theaterunterricht an einer Schule dient mehr zum Broterwerb, als der künstlerischen Erfüllung. Zumal die StudentInnen ihr mit wenig Respekt begegnen. Da hat sie die Eingebung, sich als Rapperin zu versuchen. Dazu begibt sie sich nach Brooklyn zum angesagten DJ D (Oswin Benjamin). In der Zwischenzeit versucht ihr langjähriger Freund und Manager Archie (Peter Y. Kim) für sie ein Engagement bei dem einflussreichen Produzenten und Theaterdirektor Josh Whitman (Reed Birney) einzufädeln. Radha ist von dem arroganten Selbstdarsteller weniger begeistert.

Radha und D beim Poetry Slam im Ring.

Kommentar

Radha Blank verpackt eine ganze Latte an Themen in ihren Regieerstling. Ihre Protagonistin steckt in der Midlifecrisis, die allerdings nicht unwesentlich durch die äußeren Umstände bestimmt wird, die auf eine schwarze 40-jährige Künstlerin einwirken. Genderfragen, Rassismus und sexuelle Belästigung erweitern das Spektrum. Sie blickt zurück auf ihre Erfolge, kann daran aber gerade nicht anschließen. Heute versucht sie unabhängig von Weißen zu arbeiten und zu leben. Dazu lastet der jüngste Tod ihrer Mutter auf ihr.

Diese war selbst Künstlerin. Nun muss Radha mit ihre Bruder deren Gemälde in einem Lager verstauen. Was bleibt für die Nachwelt? Diese Frage stellt sie sich. Gleichzeitig beflügelt es sie, etwas für sie völlig Neues auszuprobieren. Der Fremdbestimmung durch Weiße kann sie sich aber nicht entziehen. Die schwarze Theaterwelt ist notorisch unterfinanziert. Dort reicht das Geld nicht einmal um die Miete zu bezahlen. Sie begibt sie ich, wie Ma Rainey fast 100 Jahre vor ihr in die Hände eines weißen Produzenten (siehe auch Ma Rainey’s Black Bottom). Der Produzent Whitman ist aber nur an Black-poverty-porn interessiert, was Radha mehr als verabscheut. Sie versucht sich dem Bild zu widersetzen, das Weiße von Schwarzen gerne hätten.

Mein 40-jähriges Ich ist ein erfrischend kantiges und raues Debüt in Schwarzweiß. Eine Abrechnung mit der gegenwärtigen New Yorker Theaterwelt. Blanks Humor ist sehr subtil und funktioniert oft nur durch kleine Gesten. Radha Blank zeigt eine starke Frau mit Mut zur Selbstironie und Selbstkritik. Sie möchte als Künstlerin ernstgenommen und wertgeschätzt werden. Darum geht es hier im Kern. Man spürt ihre Leidenschaft, innere Verzweiflung und kreative Kraft. Wir sehen ein neues vielversprechendes Multitalent.

THE 40-YEAR OLD VERSION | RADHA BLANK | USA 2020 | 123 MIN. | 4 out of 5 stars


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