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Im vergangenen Jahr gab es kaum Produktionen, die von einem vergleichbaren leidenschaftlichen und intensiven Schauspiel geprägt waren, wie Ma Rainey’s Black Bottom. Neben Viola Davis (Widows) als temperamentvolle Bluessängerin erhielt vor allem Chadwick Boseman (Black Panther) für seine Rolle als Jazztrompeter viel Aufmerksamkeit. Es sollte seine letzte Rolle sein. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits schwer krank (Boseman ging damit nie an die Öffentlichkeit), verstarb der Schauspieler im August 2020 an Krebs. Dem Film liegt einen Bühnenstück von August Wilson aus dem Jahr 1984 zu Grunde. Es ist nicht zu übersehen: Ma Rainey’s Black Bottom atmet Theaterluft.

Darum geht es

Ma Rainey (Viola Davis), eine einflussreiche Bluessängerin der 1920er Jahre, kommt nach Chicago um ihre nächste Platte aufzunehmen. Vorerst läßt sie aber ihre Band und ihren Produzenten Irvin (Jeremy Shamos) im Tonstudio warten. Neben dem Pianisten Toledo (Glynn Turman), dem Gitarristen Cutler (Colman Domingo) und Slow Drag (Michael Potts), dem Bassspieler, stößt der vor Selbstvertrauen strotzende Trompeter Levee Green (Chadwick Boseman) zur Band.

Als Ma Rainey eintrifft, hat sie nicht nur ihre Freundin Dussie Mae (Taylour Paige) im Schlepptau, sondern auch ihren Neffen Sylvester (Dusan Brown). Die Anspannung steigt, als es Differenzen bei der Auswahl der Stücke gibt und Ma ihren stotternden Neffen die Einleitung zu Black Bottom sprechen lassen möchte. Levee stiftet zusätzlich Unruhe, weil er gerne seine eigenen Interpretationen aufnehmen würde.

Als die Aufnahmen starten, wird sie von technischen Problemen begleitet. Levee ist zusätzlich aufgebracht, da der Studiomanager Mel Sturdyvant (Jonny Coyne) seine Eigenkompositionen als nicht geeignet für schwarze Sänger ansieht. Die hitzige Stimmung führt zu einer finales Auseinandersetzung zwischen Levee und Toledo.

Chadwick Boseman in seiner letzten Rolle

Kommentar

Man spürt in Ma Rainey’s Black Bottom förmlich die Hitze. Die warme Farbgebung, die schwitzende Ma und natürlich die sich durch die stetig aufbauenden Spannungen erhitzten Gemüter. Verstärkt wird das durch die Enge des Sets. Die Charaktere stoßen so unweigerlich immer wieder aufeinander.

Die Ausleuchtung erinnert an eine Theaterkulisse. Durch die Kameraarbeit von Tobias A. Schliesser wird noch verstärkt sichtbar, dass der Verfilmung ein Theaterstoff zugrunde liegt. Schliesser beobachtet und reduziert Kamerabewegungen und vermeidet optische Spielereien. Für Liebhaber des Theaters sicher eine willkommene Abwechslung, wenn hier das Gefühl aufkommt, einer Bühnenaufführung beizuwohnen. Alles ist sehr dicht und intensiv.

Viola Davis bestimmt jede ihrer Szene. Ma duldet keine Widerrede und stellt permanent die ganze Aufnahme aufs Spiel. Davis, unter einer dicken Schicht Make-up, beeindruckt durch ihre pure Präsenz. Sie kommt mit Chadwick Bosemans Levee quirligen und präpotenten Art nicht zurecht, genauso wenig wie der Rest der Mannschaft. Levee ist wie ein Pulverfass. Unberechenbar und man weiß nicht ob und wann er die Beherrschung verliert. Boseman beherrscht dabei genauso die leisen Momente. Es ist genau die Spannung dieser beiden Charaktere, die Ma Rainey’s Bottom Blues so sehenswert macht. Welche Wirkung könnten die beiden erst auf der großen Leinwand entfalten! Levees Counterpart ist jedoch der Pianist Toledo. Glynn Turman ist das dritte Schwergewicht im Bunde. Durch seiner strengen Religiosität gerät er in Konflikt mit Levees Lebensstil.

Ma Rainey (1882 oder 1886 – 1939) galt als The Mother of Blues und war eine der ersten Bluessängerinnen, die ihre Musik auch aufnehmen konnte. Ihr Einfluss reicht weit über die Musikwelt hinaus. Es war nicht nur ihr einzigartiger Stil, der sie zu einer bedeutenden Frau der schwarzen Kultur werden ließ. Sie gab jenen eine Stimme, die keine hatten. Es ist bezeichnend, dass die einzigen weissfarbigen Charaktere im Film der Manager und der Studioboss sind. In der letzten Szene wird klar, wer das Sagen hat und letzten Endes über die MusikerInnen bestimmte.

MA RAINEY’S BLACK BOTTOM | GEORGE C. WOLFE | USA 2020 | 94 MIN. | 4 out of 5 stars


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