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Die Globalisierung rückt thematisch vorzugsweise unter anderem dann in den Vordergrund, wenn das eigene kulturelle Habitat in Bedrängnis gerät. Im Westen sind verschiedene stilistische Einflüsse unter der nordamerikanischen Dominanz längst miteinander verschmolzen. Kooperationen mit asiatischen Produktionsfirmen brechen wiederum schnell mit unseren Sehgewohnheiten. Nun startet Netflix gemeinsam mit der chinesischen Produktionsfirma Pearl Studio einen Frontalangriff auf Disney. Das Musical Die bunte Seite des Monds nimmt ganz ungeniert Anleihen an den Grundformeln der Filme des US-Konzerns. Was passiert wäre, wenn Pink Floyd Anfang der 1970er die falschen Drogen genommen hätten, kann man in diesem für den Oscar Nominierten Animationsabenteuer bestaunen.

Darum geht es

Der Legende nach stieg einst die unsterbliche Chang-e als Göttin zum Mond auf, um dort auf ihren Geliebten zu warten. Es war das Lieblingsmärchen der verstorbenen Mutter des Mädchens Fei Fei. Als Fei Feis Vater eine neue Verlobte nach Hause bringt, beschließt sie, dem Märchen auf den Grund zu gehen und die Existenz Chang-es zu beweisen. Es gelingt ihr, eine Rakete zu konstruieren. Auf dem Flug zum Mond muss sie erkennen, dass sich ihr nervender Stiefbruder Chin mit an Board geschlichen hat. Dessen Gewicht hatte Fei Fei nicht mit einberechnet. Die Rakete droht abzustürzen. In letzter Sekunde werden sie aber von einem Lichtstrahl erfasst und auf den Mond transportiert. Von riesigen löwenartigen Mondgeistern werden sie nach Lunaria auf der Rückseite des Mondes gebracht. Dort treffen sie tatsächlich auf Chang-e und allerhand bunter Wesen.

DIE BUNTE SEITE DES MONDS – (L-R) „Gobi“ (Stimme: Ken Jeong) und „Fei Fei“ (Stimme: Cathy Ang). Cr. NETFLIX © 2020

Kommentar

Animationstechnisch ist Die bunte Seite des Monds schlicht überwältigend. Schrill und knallbunt präsentiert sich uns die Rückseite des Monds. In Kombination mit K-Pop Einlagen mag das zuerst einmal gewöhnungsbedürftig sein. Die Storyline ist jedenfalls klar. Das bei Disney und in Märchen generell beliebte Motiv der toten Mutter und einer trauernden Protagonistin bringt hier einiges ins Rollen und ist die Grundmotivation Fei Feis. Auf ihrer Reise begleiten sie allerhand pointenschleudernde Sidekicks. Das hundeähnliche Wesen Gobi erinnert stark an den Schneemann Olaf aus Die Eiskönigin.

Es geht ganz schön flott zu. Das kosmische Tischtennismatch zwischen Chin und Chang-e ist toll anzuschauen. Genauso sind es die Welten, die Fei Fei durchwandern muss. Die bunte Seite des Monds ist ein Abenteuer, das bei den Kleinen wohl eher Anklang finden wird, als bei Erwachsenen. Dafür hat der Film einfach zu wenig Neues zu bieten und bedient sich zu sehr an seinen Vorbildern. Eines ist aber klar: Netflix Animation hat den Fuß in der Türe. Da kann sich die Konkurrenz schon mal warm anziehen. Fehlen nur mehr die unverwechselbaren Stoffe und Melodien, die ins Ohr gehen. Das hier ist sicher einer der schwächeren Filme, die je für einen Oscar in der Kategorie Best Animation Feature nominiert wurden. Ein Film mehr für die Augen, als fürs Herz.

Die bunte Seite des Monds / OT: Over the Moon

Animationsfilm, USA/PRC 2020
Regie
 Glen Keane
Drehbuch Audrey Wells
Schnitt Edie Ichioka
Musik Steven Price, Christopher Curtis, Marjorie Duffield, Helen Park
Mit Cathy Ang, Phillipa So, Ken Jeong
Länge 100 Min.
Streamingplattform Netflix


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