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Als der erste Teaser-Trailer von Ghostbusters: Legacy vor Monaten (Jahren?) im Netz die Runde machte, wurde es warm um die zwischenzeitlich etwas gealterten Fanherzen. Regisseur Jason Reitman spielte von Anbeginn mit nostalgischen Elementen und pries seine Fortsetzung als eine Huldigung an das Original. Dieser Ankündigung ist Reitman auf jeden Fall treu geblieben. Wer sich nach Marshmallowmännern und Ektoplamsa sehnt und gerne in Erinnerungen schwelgt, ist hier auf jeden Fall richtig.

Darum geht es

Callie (Carrie Coon), Egon Spenglers Tochter, zieht mit ihren Kindern Trevor (Finn Wolfhard) und Phoebe (Mckeena Grace) von Chicago aufs Land in das Haus, dass ihr der Vater hinterlassen hat. Die Aussicht auf ein Leben in der Provinz stößt auf wenig Begeisterung. Die experimentierfreudige Phoebe stellt aber bald fest, dass es im Haus des Großvaters spukt. Dann findet sie auch noch eine Geisterfalle und in der Scheune verstaubt ein komischer alter Krankenwagen. Phoebe zeigt die Falle ihrem neuen Lehrer Mr. Grooberson (Paul Rudd), der gerade eine Serie von ungewöhnlichen Erdbeben in der Gegend untersucht. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Der kürzlich verstorbene Egon (Harold Raimi) wurde offenbar von einem Geist getötet. Die Kinder machen sich daran, zu vollenden, was dem Großvater nicht gelungen ist.

Wer hat die Geister losgelassen?

Kommentar

Der Kinostart von Ghostbusters: Legacy (im Original mit dem Titel Ghostbusters: Afterlife) bietet natürlich Gelegenheit um auf die 37-jährige Geschichte der Serie zurückzublicken. Mit Ghostbusters – Die Geisterjäger (1984) ist dem Regisseur Ivan Reitman in Zusammenarbeit mit Dan Aykroyd und Harold Ramis zweifellos ein Klassiker gelungen. Zu verdanken ist das nicht zuletzt dem wunderbaren Geisterjäger-Quartett bestehend aus Dan Aykroyd, Harold Ramis, Ernie Hudson und Bill Murray. ECTO-1, der umgebaute Krankenwagen, ist ebenso legendär wie die Feuerwache, das Logo und die Titelmelodie von Ray Parker jr. Die Spezialeffekte waren up-to-date.

Weniger gern erinnert man sich an den fünf Jahre später veröffentlichten Aufguss Ghostbusters II. Bill Murray wollte fortan nichts mehr mit den Geisterjägern zu tun haben und so war dann eine Weiterführung der Geschichte für Jahrzehnte aus der Welt. Paul Feig startete 2016 einen neuerlichen Versuch und ging in Ghostbusters mit Melissa McCarthy einen anderen Weg. Der Film war nicht als Fortsetzung konzipiert und sollte für sich stehen. Letzten Endes spaltete der Film sowohl KritikerInnen als auch das Publikum. Im Zentrum der Debatte standen Vorwürfe von Sexismus und Frauenfeindlichkeit, da der im Grunde weniger geglückten Umsetzung eine Welle der Ablehnung entgegenschwappte, die von einigen auf die weibliche Besetzung zurückgeführt wurde.

Nun versucht sich wenige Jahre später also Jason Reitman, Ivans Sohn, an dem Stoff und versprach im Vorfeld, den originalen Film ausreichend zu würdigen. Das passt in die immer noch vorherrschende 80er Retrowelle, wenngleich der Film selbst in der Gegenwart angesiedelt ist. Die Rechnung ging auf. Beim Publikum kamen die zahlreichen Verweise in der dritten Fortsetzung gut an. Ghostbusters: Legacy trieft vor Nostalgie. Reitman hat es sogar geschafft, die Truppe (fast) komplett auf die Leinwand zu bekommen (Harold Ramis verstarb 2014 und wurde mittels Archivmaterial in den Film eingefügt). Während des großen Finales bleibt wohl kein Auge trocken. Dass Reitman hier auf die richtigen Knöpfe drückt, ist neben dem Clou, Kinder zu den Protagonisten zu machen und dem gelungenen Humor, sicher auf der Habenseite zu verbuchen. Die dem zugrunde liegende Story ist allerdings wieder nur ein Aufguss des Originals aus den 1980er Jahren. Hier wollte man nach dem Misserfolg des Vorgängers wohl doch kein all zu großes Risiko eingehen. Rückblickend in Anbetracht der momentanen Situation vermutlich auch die richtige Entscheidung.

Ghostbuster: Legacy unterhält gut und ist auch für eine jüngeres Publikum geeignet. Gerade für die Zielgruppe unter 12 Jahren ist es ohnehin eine Seltenheit, spektakuläre und aufregende Stoffe zu finden, die nicht all zu brutal geraten sind. So hat der Film auf jeden Fall sein Nische gefunden, auch wenn es neuerlich nicht der große Wurf geworden ist.


Ghostbusters: Legacy (OT: Ghostbusters: Afterlife)
Science-Fiction-Komödie, 2021

Regie Jason Reitman
Drehbuch Gil Kenan, Jason Reitman
Kamera Eric Steelberg
Schnitt Dana E. Glaubermann, Natan Orloff
Musik Rob Simonsen
Mit Carrie Coon, Paul Rudd, Fin Wolfhard, Mckenna Grace, Logan Kim


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