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Im Kino

Wer kennt sie nicht: die Gucci Handtasche. Auch in einer Ganzkörpervariante erhältlich, darf sie in keinem modebewussten Haushalt fehlen. Dazu am besten ein Sweater mit dem Gucci Schriftzug auf der Brust und die dazu passenden Schuhe mit dem Firmenlogo, auch dort so groß, dass man sich erst gar nicht Richtung Asphalt beugen muss, um es lesen zu können. Original muss nicht sein, es reichen Replika. Etwas in Vergessenheit geraten ist die spektakuläre Familiengesichte der Guccis und warum eigentlich schon lange keines der Familienmitglieder mehr im Unternehmen tätig ist. Ridley Scotts House of Gucci erzählt davon. Lady Gaga glänzt in ihrer zweiten Hauptrolle.

Darum geht es

Auf einer Party lernt Patrizia Reggiani (Lady Gaga) zufällig Maurizio Gucci (Adam Driver) kennen. Sie macht sich sogleich zielstrehbig daran, mit ihm ein Verhältnis zu beginnen. Sehr zum Missfallen von Rodolfo Gucci (Jeremy Irons), für den Patrizia nicht standesgemäß ist und der mit Aldo Gucci (Al Pacino) das Firmenimperium leitet. Während Maurizio angehender Rechtsanwalt ist, wird Paolo (Jared Leto), der exzentrische Sohn Aldos, von niemandem ernst genommen.

Maurizio setzt sich über den Willen seines Vater hinweg und heiratet Patrizia. Rodolfo bricht alle Beziehungen ab. Aldo sieht in Maurizio den einzigen legitimen Erben und bemüht ich darum, den Familienfrieden wieder herzustellen.

Nachdem Maurizio eine alte Beziehung zu einer Jugendfreundin (Camille Cottin) wieder aufnimmt, trennt er sich von Patrizia. Während in der Firma kein Stein auf dem anderen bleibt, plant Patrizia aus Rache ein Mordkomplott gegen ihren ehemaligen Ehemann.

Patrizia (Lady Gaga) ist der Umgang ihres Mannes Maurizio (Adam Driver) mit dem Firmenimperium gar nicht recht.

Kommentar

Viel musste Sara Gay Forden in ihrem 2001 erschienen und dem Film zugrundeliegenden Roman The House of Gucci: A Sensational Story of Murder, Madness, Glamour, and Greed nicht dazuerfinden. Die Familie Gucci lieferte eine Vorlage, die einer Seifenoper entsprungen sein könnte. Dem dramatischen Ende im Jahr 1995 ging mehr als ein Jahrzehnt ein Spiel aus Macht, Gier, Eitelkeiten und allerhand Verrücktheiten voran. Ganz so genau nimmt es Ridley Scott in House of Gucci mit historischen Details aber nicht. Das verstellt aber nicht den Blick auf eine unglaubliche Geschichte und interessante Persönlichkeiten.

Father, Son and House of Gucci

Patrizia Reggiani bekundet Verschwiegenheit

Rein optisch gibt der Film ordentlich was her (Kostüme von Oscar-Preisträgerin Janti Yates). Scotts visueller Stil ist schon sehr Gucci. Stilsicher in den 1980er Jahren verankert (auch musikalisch). Aus heutiger Sicht also immer an der Kippe zur Geschmacklosigkeit. Aber hat sich Scott zu sehr auf das reale Vorbild verlassen? Auf der Leinwand kommt das Ganze zwar sehr wohl kurzweilig daher aber ist doch frei von emotionalen Höhepunkten. House of Gucci ist etwas verloren im Schwebezustand zwischen Kriminalfilm und Familiensaga. Wäre da nicht Lady Gaga, die nach A Star Is Born ein zweites Mal ausserordentlich überzeugend spielt und den Film fest im Griff hat. Ihre Leinwandpräsenz ist unglaublich.

Für einen Kriminalfilm fehlt es aber an Spannung und eine Familiensaga verlangt nach mehr Dramatik. Da nutzt es nichts, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Unterhaltung folgt dann doch anderen Gesetzmäßigkeiten als die Realität es tut. Zu den restlichen schauspielerischen Leistungen gibt es geteilte Meinungen. Al Pacino und Jeremy Irons werden richtiggehend verbraten. Jared Leto ist bis zur Unkenntlichkeit geschminkt und spricht mit hoher dünner Stimme. Das wirkt unfreiwillig komisch. Adam Driver steht im Schatten von Lady Gaga. Da nützt der perfekt sitzende Anzug nichts. Wegen ihr allein wird man sich an House of Gucci zurückerinnern.

House of Gucci
Drama, USA 2021

Regie Ridley Scott
Drehbuch Robert Bentivegna, Becky Johnson
Kamera Dariusz Wolski
Schnitt Claire Simpson
Musik Harry Gregson-Williams
Mit Lady Gaga, Adam Driver, Jared Leto, Al Pacino, Jeremy Irons, Salma Hayek
Länge 158 Min.


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