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Verlässlich wie ein warmes Hochdruckgebiet werden wir um diese Jahreszeit mit unzähligen Weihnachtsfilmen regelrecht bombardiert. Gerade Netflix versucht sich hier jedes Jahr zu überbieten. Die Auswahl ist unüberschaubar. Das Niveau im Gegensatz zum Wetter überwiegend tief. Vor einem Jahr konnte die Streamingplattform mit dem für einen Oscar nominierten Animationsfilm Klaus überzeugen. In diesem Jahr geht man einen anderen Weg: Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten ist ein Musical, das Weihnachtsstimmung verbreiten möchte und dabei das Thema selbst bestenfalls streift. Regisseur David E. Talbert realisierte sein nostalgisches Weihnachtsmärchen mit einem vor und hinter der Kamera überwiegend schwarzen Team.

Darum geht es

Jeronicus Jangle (Forest Whitaker/Justin Cornwell) ist ein Erfinder und Spielzeugmacher, der mittels höherer Mathematik Spielsachen zum Leben erwecken kann. Als er kurz vor der Vollendung seiner größten Erfindung steht, dem Matador Don Juan Diego (Stimme: Ricky Martin, Motion Capture: Jonny Labey), kommt ihm seine Schöpfung abhanden: Sein Gehilfe Gustafson (Keegan-Michael Key/Miles Barrow) entwendet die Spielfigur und sämtliche Pläne und Skizzen. Für Jeronicus bricht eine Welt zusammen. Er verliert nicht nur den Glauben an die Magie, die in Dingen stecken kann, sondern kurz darauf auch seine Frau Joanne (Sharon Rose). Von seiner Tochter Jessica (Anika Noni Rose) entfernt er sich immer mehr, bis sie von ihm wegzieht.

30 Jahre später ist Gustafson ein erfolgreicher Spielzeughersteller. Don Juan hat ihn reich gemacht. Jeronicus fürchtet um seine finanzielle Existenz und arbeitet in der Zwischenzeit an seiner neuesten Erfindung, dem Buddy 3000. Doch ohne die Gabe der grenzenlosen Fantasie und der Freude am Leben bleibt der Roboter nur ein Haufen Metall. Bis eines Tages seine Enkeltochter Journey (Madlen Mills/Phylicia Rashad) vor der Türe steht und sein Leben auf den Kopf stellt. Sie ist ein regelrechter Wirbelwind und scheint ähnliche Begabungen wie ihr Großvater zu haben.

Journey (Madalen Mills) weckt in ihrem Großvater (Forest Whitaker) schlummernde Begabungen.

Kommentar

Mit viel Liebe zum Detail, einer prachtvollen Ausstattung und opulenten Kostümen sticht Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten aus der Masse an saisonalen Unterhaltungsfilmen hervor. Die Vorgeschichte ist flott erzählt und vielversprechend. Allerdings ziemlich lange. Es dauert eine ganze Weile, bis die Hauptdarstellerin ihren ersten Auftritt hat. Leider kann der Film die Spannung nicht über die volle Länge halten. Dafür ist er mit über zwei Stunden Laufzeit genreuntypisch lange geraten. Das wäre nicht notwenig gewesen, zumal die Geschichte zusätzlich zum Prolog in eine unnötige Rahmenhandlung eingebettet ist.

Der gesamte Film ist im Studio gedreht. Zum Teil atmet Jingle Jangle Journey den Geist alter Disneyfilme. Die künstlichen Sets erinnern an so manchen Klassiker. Tanzszenen durch verschneite Studiokulissen tun ihr übriges. Nur das dies heute eben bedeutet, große Teile im Computer zu generieren und dem Digitalen fehlt es an Charme. Alles ist hell, bunt und sauber. Die Darsteller wirken in dieser Welt allesamt etwas verloren. Einzig Hauptdarstellerin Madalen Mills ist ein Lichtblick in dieser viktorianischen Welt mit Hightech Elementen.

Wir haben es hier mit einen fröhlichen und aufbauenden Musical mit einer schönen Botschaft zu tun. Es wird nicht groß auf die Tränendrüse gedrückt. Einzig der Tod der Mutter zu Beginn muss dafür herhalten. Bitterer Weise hat dies auf die weitere Handlung kaum Einfluss. Ihre Funktion war einzig die der Mutter und das ist doppelt tragisch.

Ganz klar: Jingle Jangle Journey wagt weitaus mehr, als die Überzahl an Weihnachtsfilmen. Mit einer strafferen Story und Musiknummern, die etwas mehr ins Ohr gehen (Produzent: John Legend) hätte man aber noch mehr überzeugen können. Ob dies ein neuer Weihnachtsklassiker wird, wird die Zeit weisen.


OT: JINGLE JANGLE: A CHRISTMAS JOURNEY | DAVID E. TALBERT | USA 2020 | 122 MIN. | 3 out of 5 stars


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