The Souvenir Hogg

Seit Joanna Hoggs The Souvenir beim Sundance Film Festival 2019 Premiere feierte, wird dem Film anhaltende Begeisterung entgegengebracht, von FilmkritikerInnen und Prominenz bis hin zu Barack Obama, für den das 80er Jahre Beziehungsdrama ein Höhepunkt des vergangenen Filmjahres war. Während sich die Kinos sonst auf Klassiker und aktuellere Wiederaufnahmen beschränken, gibt es hie und da also noch neue Filme auf dem Spielplan. Es sind die letzten Überbleibsel der vergangenen Saison. Dabei zeichnet sich ab, dass an Neustarts von vor allem großen Hollywood Produktionen für längere Zeit nicht zu denken ist. Ist dieser Sommer erst vorbei, kann es schnell Frühjahr/Sommer 2021 werden, bevor die Studios ihre Filme für den Weltmarkt freigeben. Sollte das tatsächlich so passieren, stehen der Filmwelt die schwierigen Zeiten erst bevor.

Darum geht es

Julie (Honor Swinton Byrne) ist eine Filmstudentin in England Anfang der 1980er-Jahre. In ihrem aktuellen Filmprojekt, versucht sie aus ihrem privilegierten Umfeld auszubrechen. Mitten in die Arbeit platzt der wesentlich ältere Anthony (Tom Burke). Sein vornehmes Auftreten wirkt auf sie anziehend. Als angeblicher Mitarbeiter im Außenministerium eröffnet er ihr eine neue Welt. Bald schlittern die beiden in eine Liebesaffäre. Anthony zieht bei ihr ein. Dann bemerkt sie, dass irgendetwas nicht stimmt, ignoriert das aber vorerst.

Honor Swinton Byrne und Tilda Swinton in THE SOUVENIR

Kommentar

The Souvenir ist ein kleines Gemälde von Jean-Honoré Fragonard aus dem 18. Jahrhundert. Es zeigt das Mädchen Julie, das den Namen ihres Geliebten in einen Baum ritzt. Anthony zeigt es Julie und präsentiert sich am Anfang ihrer Beziehung als kunstsinniger Dandy. Swinton Byrne (die Tochter von Tilda Swinton, die auch im Film ihre Mutter spielt) spielt eine verschlossene und zurückhaltende Filmstudentin. Ganz anders ist da Anthony, gespielt von Tom Burke. Seine direkte und scheinbar offene Art wirken auf Julie anziehend. Joanna Hogg sind mit ihrer semi-biographischen Erzählung (ein so ähnliche Geschichte hatte sie selbst erlebt) zwei intensive Charakterportraits gelungen. Swinton Byrne beeindruckt und es ist bald klar, dass ihr die Berühmtheit der Mutter nicht im Weg stehen wird.

Den starken Darstellerin steht allerdings eine Story gegenüber, die nicht so recht zu fesseln vermag. Gerade die Szenen auf der Filmschule strecken den Film in eine quälende Länge. The Souvenir ist zu sehr Kunstfilm (großartige Ausstattung) um auf Dauer emotional berühren zu können. Wenn The Souvenir für die KritikerInnen einer namhaften – britischen – Filmzeitschrift der beste Film des Jahres ist, dann ist das nicht ganz nachvollziehbar. Es scheint so zu sein, als funktioniert der Topos Medium Film im Film und die Auseinandersetzung mit der eigene Realität durch das Medium Film immer noch sehr gut. Teil 2 ist bereits abgedreht.


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