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In einem Nationalpark nahe Portland haben ein Vater und seine Tochter ein Lager unter einer Zeltplane aufgeschlagen. Die widrigen Witterungsverhältnisse scheinen die Beiden nicht zu stören. Trotz Regen und Kälte gehen sie ihrer täglichen Routine nach, spielen sogar Schach. Das dichte saftige Grün und mächtige Baumriesen bieten ihnen Schutz. Aber wovor?

Die 13-jährige Tom (Thomasin McKenzie) lebt mit ihrem Vater Will (Ben Foster) am Rande der Wildnis. Anders erträgt er das Leben nicht mehr. Nur um das Notwendigste zu besorgen begeben sich die Beiden in die nächste Stadt. Die Zivilisation hält Will nicht mehr aus. Er ist Kriegsveteran und auf Medikamente angewiesen, die er aber auf dem Schwarzmarkt an Drogenabhängige verkauft.

In der Nacht wärmen sie sich gegenseitig. Das Einzige, was gegen die Kälte hilft.  Es ist eine innige Verbundenheit, die auf dem grenzenlosem Vertrauen aufbaut, das Tom gegenüber ihrem Vater hegt. Der unterrichtet sie und lehrt ihr, was zum Überleben notwendig ist. Das Leben ist hart aber sie nehmen es so wie es ist. Als Tom eines Tages von einem Läufer entdeckt wird, schaltet sich der Staat und das Jugendamt ein. Beide gehen mit der Situation unterschiedlich um. Nach und nach wird die Zweisamkeit auf die Probe gestellt. 

Die Regisseurin Debra Granik stellt nach ihrem Erfolg Winter’s Bone (2010) neuerlich ein starkes Mädchen ihres, ja man muss sagen Meisterwerks, in den Mittelpunkt. Damals bedeutete es für die 20-jährige Jennifer Lawrence den Durchbruch. Heute überzeugt Thomasin McKenzie in ihrer ersten Hauptrolle. 

Die zutiefst menschliche Weise, in der sich Granik ihren Charakteren annähert, schafft eine Unmittelbarkeit, die im Kino selten zu erleben ist. Es ist als wäre man auch unter der Zeltplane. Die Regentropfen, das Rauschen des Windes, die Erde, alles wird spürbar. Als wäre man ein stiller Beobachter und alles wäre tatsächlich wahr. 

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Peter Rock aus dem Jahr 2009. Dieser wurde durch einen Zeitungsartikel für seinen Roman inspiriert, der von einem sehr ähnlichen Fall handelte. Regisseurin Granik zeigt neuerlich, dass sie Menschen interessieren, die nicht Teil der Gesellschaft sein wollen oder können. Im Zuge der Recherchen für den Film wurde sie sogar auf eine Subkultur aufmerksam, die versucht mit einfachsten Mitteln in der Natur zu überleben.

Thomasin McKenzie ist die Entdeckung des Jahres und Leave no Trace einer dieser Filme des Jahres die man gesehen haben muss. 

Debra Granik | USA 2018 | 109 Min. | 5 out of 5 stars

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