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Kann Spoiler enthalten

In Dakar, der Hauptstadt des Senegal, fordert eine Gruppe von Bauarbeitern ihren Lohn ein. Oft ist es das einzige Familieneinkommen und somit die Existenzgrundlage. Der Baustellenleiter kann ihnen jedoch kein Geld aushändigen. Die Männer treffen eine folgenschwere Entscheidung. Atlantique ist das Spielfilmdebüt der Regisseurin Mati Diop. Ein Name, den man sich merken sollte.

Zu Beginn treffen sich Ada (Name Binet Sane) und Suleiman (Traore) in einem Rohbau am Meer. Das Liebespaar befinden sich in einer verzweifelten Lage. Die Familie von Ada hat sie einem Mann versprochen. So möchte es die Tradition. Einen Fremden zu heiraten ist für Ada ein Alptraum. Suleiman schaut immer wieder aufs Meer hinaus und scheint abwesend. Der Blick in den Horizont hat für jeden eine andere Bedeutung, wie sich bald herausstellen wird.

Geschichten über Migration werden meist aus Sicht der Menschen auf der Flucht erzählt und spielen jedenfalls fast immer auf europäischem Boden. Hier findet Diop jedoch einen völlig neuen Zugang. Was ist mit den Frauen die zurückbleiben, wenn sich die Männer in ein kleines Boot setzen und in den Atlantik hinaus steuern?

Suleiman und die anderen verschwinden in der folgenden Nacht. Kurz darauf wird Ada verheiratet und da beginnen auch die merkwürdigen Ereignisse. Das Ehebett geht in Flammen auf. Angeblich hat jemand Suleiman gesehen. Regisseurin Diop schlägt einen Weg ein, der das breite Publikum im ersten Moment durchaus verschrecken könnte. Seltsames passiert mit den Frauen. In die harte Realität mischen sich in Atlantique übernatürliche Elemente von lokaler Spiritualität. Am Ende macht dieser Kunstgriff durchaus Sinn.

Das Debüt der französischen Regisseurin Mati Diop, gedreht in der Sprache Wolof, wurde in Cannes 2019 mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Darüber hinaus steht der Film auf der Short List für den Auslandsoscar 2020. Netflix hat sich die weltweiten Rechte gesichert, bewirbt den Film aber leider nicht. So verkommt er irgendwo in den Weiten des Streamingdienstes. Völlig zu unrecht. Neben überzeugenden Darstellern, die teils zum ersten Mal vor der Kamera stehen, ist der Soundtrack von Fatima Al Qadiri erwähnenswert. Atlantique findet einen mythisch-poetischen Weg, um sich mit dem Thema transkontinentaler Migration auseinanderzusetzen und ist dabei höchst erfolgreich.

MATI DIOP | ATLANTIQUE (engl. Atlantics) | F/SEN/BEL 2019 | 104 Min. | 4 out of 5 stars



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