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Da hat sich Netflix den nächsten großen Fisch geschnappt. Sony Pictures sind im vergangenen Jahr die Kinos abhanden gekommen und so hat die Streamingplattform bei Die Mitchells und die Maschinen zugeschlagen. Das Science-Fiction Familienabenteuer ist das erste Highlight in diesem Kinojahr. Regiedebütant Mike Rianda lässt ein rasantes Gag- und Zitatefeuerwerk auf das Publikum los und spart dabei nicht mit Kritik an der Technologisierung unserer Wohnzimmer und Hosentaschen. Ein Spaß für Groß und Klein.

Darum geht es

Katie Mitchell (Abbi Jacobson) ist ein großes Talent. Gerade wurde sie an einer Filmschule in Kalifornien aufgenommen. Da sich ihre Fähigkeiten allerdings auf Handy und das Internet konzentrieren, bekommt ihre Familie, allen voran ihr Vater Rick (Danny McBride), nichts davon mit. Der hat nämlich eine regelrechte Technikphobie, nur Outdoor-Überlebensweisheiten im Kopf und hält seinen Schraubenzieher für das einzig wichtige Werkzeug überhaupt. Seine Tochter möchte von all dem nichts wissen und möchte nur mehr weg von ihrer Familie.

Um das Familiengleichgewicht wieder herzustellen, beschließt Rick kurzerhand, dass sie Katie alle gemeinsam nach Kalifornien aufs College bringen werden. Sehr zum entsetzen der Tochter. Gerade als sie sich auf den Trip begeben, präsentiert der Entwickler Mark Bowman (Eric Andre) im Silicon Valley seine neueste Erfindung. Roboter sollen das Zusammenleben revolutionieren. Gleichzeitig erklärt er seine bisherige Kreation, die virtuelle Assistentin PAL (Olivia Coleman, außerordentlich in allem was sie tut), eine höchst fortschrittliche künstliche Intelligenz, für veraltet. Diese läßt sich das keineswegs gefallen und übernimmt kurzerhand das Kommando über die Roboter. Ihr Ziel: alle Menschen von der Erde zu verbannen. Die gesamte Welt stürzt in ein Chaos. Für die Mitchells beginnt eine Odyssee quer durch Amerika und der alles anderen als perfekten Familie kommt auf einmal bei der Rettung der Welt eine bedeutende Rolle zu.

Der Vater fordert Familienzeit ein.

Kommentar

Es ist schon bewundernswert, was Regisseur und Drehbuchautor (gemeinsam mit Jeff Rowe) Mike Rianda da alles unter einen Hut bringt: Vater-Tochter-Beziehungsdrama, Roadmovie, Technologiekritik und Roboterapokalypse. Eine große Portion Nostalgie spielt hier mit, begleitet von einem 80er Jahre Syntiesoundtrack, ist nicht zuletzt die Terminator-Serie eine wesentliche Grundlage für die Geschichte. Dem jüngeren Publikum wird das natürlich nichts sagen. Der Spagat, den Die Mitchell gegen die Maschinen schafft, ist erstaunlich. Bereits mehrmals getestet: Der Film funktioniert für unter 10- jährige genauso wie für ein Publikum jenseits der 40.

Animationsfilme sind bekannt dafür, dass sich die unterschiedlichsten Altersgruppen ansprechen. Rianda treibt das nun an die Spitze. Heute ist jedem Kind bewußt, welche Rolle neueste Technologien in unserem Leben spielen. Die Mitchells wirken zwar überdreht und chaotisch. Im Herzen aber schlagen sie sich mit den gleichen Problemen herum, wie die meisten Familien. Am Ende ist es die menschliche Fehlbarkeit, die ihre Stärke ausmacht.

Unterfüttert ist die Geschichte mit unzähligen popkulturellen Zitaten. Unverkennbar steht die Marke mit dem angebissen Apfel in der Kritik. Deren intelligenter persönlicher Assistent hört bereits in vielen Wohn- und Schlafzimmern mit, ohne das dies wohl den meisten bewusst ist. Genauso wie das Produkt der Konkurrenz. Die Mitchells gegen die Maschinen verknüpft das alles auf eine sehr kluge Weise zu einem rasanten Abenteuer.

Wie schon bei The Lego Movie, einem früherer Film der beiden Produzenten Phil Lord und Chris Miller, benötigt es mehrere Durchläufe, um alle Anspielungen und Gags fassen zu können. Auch Einflüsse ihrer Arbeit Spider-Man: Into the Spider-verse kann man hier wiedererkennen. Der Stilmix ist spannend. Virale YouTube Videos spielen eine wesentliche Rolle. Die Charaktere wirken wie mit handgezeichnet. Man erkennt Pinselstriche.

Kostenloses Wi-Fi ist in dieser Welt sowas wie der heilige Gral. Für einen Internetzugang gibt man schon mal sein ganzes Leben auf. Ein Running-Gag, der sehr wohl auch nachdenklich stimmt. Soweit von der Realität sind die Mitchells nämlich nicht entfernt. Es beginnt bereits am familiären Esstisch zu Hause. Algorithmen bestimmen was wir zu lesen bekommen und schlagen uns vor, welchen Film wir uns am Abend anschauen sollten. Dass dies nun gerade von einem Konzern wie Netflix vermarktet wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Die Mitchells gegen die Maschinen (OT: The Mitchells vs. the Machines)

Animationsfilm, USA 2021
Regie
Mike Rianda
Drehbuch Mike Rianda, Jeff Rowe
Schnitt Greg Levitan
Musik Mark Mothersbaugh
Länge 109 Min.
Streamingplattform Netflix


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