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Provincial Reconstruction Teams wurden erstmals Anfang der 2000er Jahre von der US-Armee in Afghanistan eingesetzt. Zusammensetzt aus Militärs, Diplomaten und technischen Experten sollten sie in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung vor Ort den Wiederaufbau vorantreiben und lokale Regierungen gegen die Taliban unterstützen. The Outpost erzählt die wahre Geschichte eines solchen Teams in einem Außenposten im Norden Afghanistans, der am 3. Oktober 2009 bei der Schlacht von Kamdesh durch einen Angriff der Taliban völlig zerstört wurde. Wegen seiner exponierten Lage in einer Talenge des Hindukusch galt der Posten de facto als Himmelfahrtskommando.

Darum geht es

Als die Soldaten der US-Armee in der Nacht aus den Helikoptern steigen, die sie am später Combat Outpost Keating genannten Außenposten absetzen, können sie nur erahnen, in welcher Lage sie sich nun befinden. Der nächste Morgen bringt Gewissheit: das Lager liegt in einem Talkessel und ist von steil ansteigenden Felswänden umgeben und nur durch eine schmale Straße erreichbar. Ein strategischer Alptraum.

Unter anderen Staff Sergeant Romesha (Scott Eastwood) und Specialist Carter (Cale Landry Jones) sollen unter dem Kommando von Captain Keating (Orlando Bloom) Kontakt zur lokalen Bevölkerung aufnehmen und sie von den Taliban separieren. Als Taktik wird darauf gesetzt, das Vertrauen der Dorfältesten zu gewinnen und sich auch durch Angriffe nicht provozieren zu lassen. Die Einwohner werden als friedlich eingeschätzt.

Es kommt immer wieder zu Zwischenfällen und kleineren Angriffen. Die Anspannung unter den Soldaten steigt, als sie merken, wie aussichtslos ihre Lage ist. Trotzdem bleibt man bei der defensiven Strategie. Wegen der Knappheit von Ressourcen im weit entfernten Basislager, liegt die Räumung des Camps aber trotzdem in weiter Ferne. Mehrmalige Warnungen eines lokalen Kontaktmannes über einen bevorstehenden Angriff werden nicht ernst genommen. Im Morgengrauen des 3. Oktober 2009 wird der Posten von mehr als 300 Taliban in der Schlacht von Kamdesh verwüstet.

Die Kameraführung von Lorenzo Senatore macht The Outpost erst richtig sehenswert.

Kommentar

The Outpost zeichnet sich wie Black Hawk Down oder andere Kriegsfilme der letzten 20 Jahre durch eine größtmögliche Authentizität aus. Kameraführung (Lorenzo Senatore) und Soundeffekte sollen beim Publikum den Eindruck erwecken, mitten im Geschehen zu sein. In Rod Luries Version der Kriegshölle verfolgt die Kamera (meist sind es Drohnenflüge) die Soldaten in langen Sequenzen ohne Schnitt, um möglichst hautnah an den Protagonisten dran zu sein. Die technische Finesse des Kriegsdramas ist beeindruckend.

Im Combat Outpost Keating ging es von Anfang an nur ums Überleben. Die Antwort, warum die Militärführung unter David Petraeus einen derart gefährlichen Standort gewählt hat, bleibt im Film unbeantwortet. Allerdings sind die engen mit reissenden Flüssen durchzogenen Täler eine für die Region typische Landschaft.

Langeweile und die permanente Bedrohung bestimmen den Alltag im Camp. Die Soldaten sind allesamt in ihren 20ern und unterscheiden sich in ihrer Geschichte im Wesentlichen kaum voneinander. Trotzdem stechen eine Handvoll Männer aus der Gruppe hervor, vor allem Scott Eastwood (Clints Sohn) und Cale Landry Jones. Natürlich stellt der Film das Heldentum in sein Zentrum. Beide realen Vorbilder bekamen mit der Medal of Honor die höchste militärische Auszeichung überreicht. Noch nie wurde zwei überlebenden Soldaten einer Operation gleichzeitig diese Ehre zu Teil.

Während die erste Hälfe des Filmes zur Orientierung dient, mehr oder weniger das Leben im Camp beschreibt und durch herbe Rückschläge einen mehrmaligen Wechsel der Führung notwenig macht, widmen sich die letzen 45 Minuten ausschließlich der finalen Schlacht. Dass man dabei nicht die Orientierung verliert, zeichnet die Regiearbeit von Lurie aus.

Einmal beklagt ein Dorfältester, dass die Besatzer nun schon seit Jahrzehnten im Lande seien, nur um dann aufgeklärt zu werden, dass es zuerst die Russen waren, die Afghanistan besetzt hielten. The Outpost ist kein Antikriegsfilm, der mit Kritik an der Invasion in Afghanistan aufwartet. Die Soldaten sind überzeugt davon, etwas gutes für ihr Land zu tun und für sie ist klar, wer die Guten sind und wer die Bösen. Auch klar ist, dass die afghanische Bevölkerung von den Taliban terrorisiert wurde. In diesem Spannungsfeld ist der Film mehr ein Bericht, der sich auf ein Ereignis konzentriert, ohne die Situation im Großen zu beurteilen. Das muss er auch nicht.

Als Zuseher bekommt man einen Eindruck davon, wie es sein mag, wenn man mitten im Krieg allein gelassen wird. Diese Frage nimmt The Outpost nämlich sehr wohl auf. Die Evakuierung von Combat Outpost Keating kam viel zu spät. Als die Taliban Wind von den Räumungsplänen bekamen, starteten sie ihren Angriff. Untersuchungen kamen zu dem Entschluss, dass es Mängel in der Kommandokette gegeben hatte. Am Ende starben acht US-Soldaten bei dem Angriff und 27 wurden verwundet. Ebenso verloren zehn afghanische Soldaten und Sicherheitsleute ihr Leben. Etwa 150 Taliban wurden getötet. Es war einer der blutigsten Einsätze in der 13 Jahre dauernden Operation Enduring Freedom.


The Outpost – Überleben ist alles [OT: The Outpost]

Kriegsfilm, USA 2020
Regie
 Rod Lurie
Kamera Lorenzo Senatore
Schnitt Michael J. Duthie
Musik Larry Groupé
Mit Scott Eastwood, Caleb Landry Jones, Orlando Bloom
Länge 123 Min.
Streamingdienst  zum Kauf bei Amazon


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