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Im Kino

  Kann Spoiler enthalten

Kaum zu glauben, aber Nope ist nach Get Out und Wir erst der dritte Spielfilm von Regisseur Jordan Peele. Innerhalb weniger Jahre hat sich Peele den Status eines innovativen Filmemachers mit eigener Handschrift erarbeitet. Seine Filme zählen zu den sehnlichst erwarteten der Saison und vermögen uns immer wieder aufs Neue zu überraschen. Nun richtet Peele sein Augenmerk auf uns, sein Publikum und unsere Sehgewohnheiten.

Darum geht es

Nachdem ihr Vater auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, übernehmen Otis Jr. (Daniel Kaluuya) und seine Schwester Emerald (Kekse Palmer) die Ranch der Familie, auf der Pferde für Dreharbeiten in Hollywood trainiert werden. Als sie bei einen Auftrag die Kontrolle über ein Pferd verlieren und gefeuert werden, ist die finanzielle Lage der Ranch angespannt. Ricky Park (Steven Yeun), Kinderstar und Besitzer eines nahegelegenen Westernparks, bietet an, die Ranch zu übernehmen. Emerald, die davon träumt berühmt zu werden, ist ganz im Gegensatz zu Otis Jr., offen für das Angebot. Wären da nicht diese seltsamen Vorkommnisse. Kurze Stromausfälle und aufgeschreckte Tiere machen die Beiden stutzig. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Himmel über ihrem Grundstück. Die Geschwister wittern eine Geschäftsidee und versuchen mit Hilfe des Technikers Angel (Brandon Perea) die Vorkommnisse mit Überwachungskameras aufzuzeichnen. Den exzentrischen Starkameramann Anglers Holst (Michael Wincott) können sie mit dem Angebot anlocken, den perfekten Shot aufzunehmen. Gemeinsam legen sie sich auf die Lauer und richten ihre Blicke Richtung Himmel. Auch der Nachbar Park sieht seine Chance auf Ruhm.

Daniel Kaluuya in Nope (Jordan Peele 2022)

Kommentar

Auch wenn es immer schwieriger geworden ist, ohne großes Vorwissen in einen Film zu gehen, gibt es solche, deren ganze Kraft in der Überraschung liegt. Es sind Filme, die ihr Publikum auf dem falschen Fuß erwischen, sie in die Irre führen und gnadenlos zuschlagen. Jordan Peeles Werk zählt hier dazu und auch der Trailer zu Nope läßt uns im Unklaren darüber, worum es hier eigentlich geht.

Zählt man 1 +1 zusammen, können wir uns denken, auch diesmal eine Portion Gesellschaftskritik serviert zu bekommen aber auch, dass hier neuerlich mit Genres gespielt wird, deren Mix zu einem unerwarteten Ergebnis führt. Das Setting ist vordergründig das eines Westerns. Wobei uns gleich zu Beginn eine Rückblende – wir sich später herausstellt – irritiert, weil wir sie lange nicht einordnen werden können. Jordan Peeles Zugang ist diesmal sehr ambitioniert und öffnet einiges an Interpretationsspielraum, der auch nach dem Ende noch auf uns nachwirken wird. Die Rückblende ist auf einen lange zurückliegenden Alptraum des Regisseur zurückzuführen. Seine Produktionsfirma Monkeypaw Productions ist danach benannt.

Die Geschichte spielt am äußersten Rand Hollywoods – geografisch und auch menschlich. Eine Familie von Schwarzen in einer Welt von Weißen. Hier wird es besonders deutlich. Peele nimmt dabei Bezug auf eine von Fotopionier Eadweard Muybridges berühmten Reiteranimationen aus dem Jahr 1887. So bekannt die zu einer scheinbar bewegten Sequenz aneinander montierten Fotos sind, der Reiter selbst ist ein Unbekannter. Es ist ein Schwarzer. Die Familie von OJ und Em beansprucht die Animation als Teil des Familienerbes. Der Reiter ist ein direkter Vorfahre. Peele wird zu diesem Motiv immer wieder zurückkehren.

Die Gefahr entsteht in Nope durch Blickkontakt. Das kennen wir beispielsweise aus Bird Box mit Sandra Bullock. Peele eröffnet hier gleich mehrere Themenfelder, die sich aber nicht alle so harmonisch aneinanderfügen wollen: Da ist Ricky mit seinem Trauma aus Kindheitstagen, der auf ganz eigene Art mit der Situation umgeht und sie für seinen Freizeitpark nutzen möchte. OJ und Em wollen das Phänomen aufnehmen, und es so vermarkten. Der Kameramann Holst ist wiederum besessen von der perfekten Einstellung.

In der Erzählstruktur nimmt Peele Anleihen an Stephen Spielberg. Sowohl Der weiße Hai als auch Die unheimliche Begegnung der dritte Art wurde bereits mehrmal genannt. Es herrscht eine latente nicht einzuschätzende Gefahr, gleichzeitig schenkt uns das Drehbuch einige perfekt getimte Pointen. Die Auflösung gerät dann leider all zu konventionell. Dem Regisseur ist ein atmosphärisch dichter Film gelungen, der am Ende an den eigenen Ambitionen scheitert. Grundlage für Diskussionen gibt es genügend. Zudem können wir uns an einem von Hoyte von Hoytema atemberaubend schön in Szene gesetzten Nachthimmel erfreuen.

NOPE
Sci-Fi, USA 2022

Regie Jordan Peele
Drehbuch Jordan Peele
Kamera Hoyte van Hoytema
Schnitt Nicolas Monsour
Musik Michael Abels
Mit Daniel Kaluuya, Keke Palmer, Steven Yeun, Michael Wincott
Länge 130 Min.


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