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Siebzehn Jahre nach ihrer ersten Zusammenarbeit in Lost in Translation bringt die Regisseurin Sofia Coppola erneut Bill Murray in einer seiner raren Hauptrollen ganz groß auf die Leinwand. Groß in jeglicher Hinsicht: die Vater-Tochter-Beziehungskomödie On the Rocks ist eine One-Man-Show in der Murray das Geschehen mit seiner unglaublichen Leinwandpräsenz jeden Augenblick unter Kontrolle hat. Die Lacher hat er dabei auf seiner Seite. Die feministische Brille sollte man auf dieser Fahrt durch die New Yorker Nächte aber zu Hause lassen.

Darum geht es

Laura (Rashida Jones) ist Schriftstellerin aber gerade mehr mit ihrer Rolle als Mutter beschäftigt. Ihr Mann Dean (Marlon Wayans) befindet sich mit seiner Firma gerade auf einem Höhenflug und ist ausgelastet. Tag und Nacht wie es scheint. Gewisse Indizien machen Laura stutzig. Kann sie ihrem Mann noch trauen? Sie bittet ihren Vater Dean (Bill Murray) um Hilfe. Hauptberuflich betuchter Lebemann, Kunsthändler im Nebenjob, fühlt sich gleich in seinem Element und beginnt mit einer umfassenden Investigation. Dabei hält er sich nicht mit allerhand Ratschlägen und Lebensweisheiten zurück.

Laura und Felix undercover unterwegs durch New York.

Kommentar

Ich war noch niemals in New York, zumindest bin ich bei jedem Besuch in einem Kinosessel gesessen. New York ist also ein cinephiler Sehnsuchtsort. Vermutlich würde ich mich sogar auskennen, würde man mich an einer Straßenecke aussetzen. Wenn ein Filmemacher mit dieser Stadt in Verbindung steht, dann ist es Woody Allen. Jetzt wäre es unfair, jederzeit einen Vergleich mit seinen Filmen anzustellen, wenn die Stadt und ein Frauenschwarm eine Hauptrolle spielen. Das hat On the Rocks auch gar nicht nötig. So gut unterhalten wie hier hat man sich in einem Allen Film leider schon länger nicht.

Es ist ganz und gar Bill Murrays Film. Die Rolle des Gigolo ist ihm auf den Leib geschrieben. Jede auch noch so kleine Geste sitzt. Die hierzulande weniger bekannte Rashida Jones steht ihm zur Seite. Die Verzweiflung ist ihr ins Gesicht geschrieben. So richtig über sich hinauswachsen kann sie aber nicht. Ein großer Gefühlsausbruch findet nicht statt. Sie bleibt passiv und überlässt ihrem Vater das Ruder. Jetzt doch noch ein Vergleich mit Woody Allen, wobei seine Frauenfiguren zuletzt von einer kindlichen Naivität geprägt waren. Ganz so ist es bei Coppola nicht. Mehr Drive hätte dem Film hier aber gut getan. Dadurch bekommt der Film eine Schlagseite, die zwar nicht auf Kosten des Humors geht, die Richtung ist aber vorgegeben. Laura kann ihrem Vater wenig Konter geben.

New York hat sich nie so unecht angefühlt wie hier: Ohne Ende Parkplätze am Straßenrand. Ein Kindergarten, der im echten Leben sicher keiner ist, ebenso wie ein Ballettstudio, dass es so nur im Film geben kann oder in Öl auf Leinwand. Eine Stadt eben wie gemacht für das Kino. Wir haben es hier aber ohnehin mit der Upperclass zu tun. Ein Sozialdrama will das auch nicht sein. Eher schon eine Liebeserklärung an die Väter der Generation Francis Ford Coppola. Auch das darf einmal sein.

On The Rocks ist Coppolas bisher unterhaltsamster Film. Ein Film wie ein Glas Wodka Martini, bei den vielleicht dort und da the rocks fehlen. In kurzweiligen eineinhalb Stunden folgt aber eine Pointe der nächsten und man kann sich gemütlich zurücklehnen und ist dabei bestens unterhalten.

Dank einer längerfristigen Kooperation der Produktionsfirma A24 mit Apple, wird On The Rocks später im Oktober auf der Streamingplattform Apple+ zu sehen sein. Das ist jener Dienst, zu dem jeder gratis Zugang bekommen hat, der in diesem Jahr ein Apple Produkt gekauft hat oder jemanden kennt, der ein Apple Produkt gekauft hat. Nichts desto trotz: On the Rocks ist jetzt die beste Gelegenheit einen schönen Kinoabend in einem Programmkino in eurer Nähe zu verbringen!


ON THE ROCKS | SOFIA COPPOLA | USA 2020 | 96 MIN | 4 out of 5 stars


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