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Kann Spoiler enthalten

Als Wonder Woman 2017 in die Kinos(!) kam, waren große Teile des Publikums und der Presse entzückt. Der Film hob sich von den restlichen DC Comics Verfilmungen ab, bot eine Alternative zu Marvel und gleichzeitig erblickte die erste Superheldin das Licht der Leinwand. Gal Gadot hauchte der Figur Leben ein und alle waren von ihrem Charisma überwältigt. Mit Patty Jenkins führte zum ersten Mal eine Frau bei einem Blockbuster Regie. Hinsichtlich des Geschlechterungleichgewichts in der Filmbranche, kann man den beiden den Erfolg nicht hoch genug anrechnen. Mit der Fortsetzung Wonder Woman 1984 oder wie manche sagen Wonder Woman 2, kann das Team aber leider nicht an den Vorgänger anschließen. Begleitet wurde der Filmstart im Dezember 2020 von der Entscheidung von Warner Bros., deren Filme zeitgleich zur Veröffentlichung in den Kinos auch auf dem eigenen, bisher nur in den USA verfügbaren, Streaming Dienst zu vermarkten.

Darum geht es

Diana Prince (Gal Gadot) arbeitet im Jahr 1984 als Anthropologin in einer Forschungseinrichtung in Washington D.C. In ihrer Freizeit geht sie im Wonder Woman Kostüm auf Verbrecherjagd oder rettet Menschen aus brenzligen Situationen. Ihre unscheinbare Kollegin Barbara Ann Minvera (Kristen Wiig) ist nicht nur sehr angetan von Wonder Woman, sondern ebenso von Dianas selbstbewussten Auftreten.

Eines Tages weckt ein steinernes Artefakt die Aufmerksamkeit von Diana. Kann der Stein etwa Wünsche erfüllen? Gedankenverloren wünscht sie sich wieder mit Steve (Chris Pine) vereint zu sein. Als Barbara von Wonder Woman vor einem Überfall gerettet wird, wünscht sie sich nichts mehr, als so zu sein wie sie, zufällig mit den Händen auf dem Stein.

Als neuer Sponsor wird der Ölmagnat Maxwell Lord (Pedro Pascal) am Institut vorstellig. Er flirtet mit Barbara und zeigt großes Interesse am Artefakt. In einem geeigneten Moment entwendet er es. In der Zwischenzeit lernt Diana auf einer Party einen Mann kennen, der vorgibt Steve zu sein und sie auch davon überzeugen kann.

Lord spricht den folgenschweren Wunsch aus, der Stein selbst sein zu wollen und stürzt die ganze Welt in ein Chaos.

Chris Pine und Gal Gadot

Kommentar

Ohne Überlänge geht es im SuperheldInnen Segment nicht und das obwohl die Geschichten weder tiefgründig noch komplex sind. Wonder Woman 1984 eröffnet noch dazu mit einem Prolog. Wir sind zurück auf der Insel Themyscira im Mittelmeer wo das Kriegervolk der Amazonen zu Hause ist. Diana ist noch ein kleines Mädchen und tritt zu einer Art olympischen Bewerb an. Die Sequenz ist schön anzusehen. Die Musik von Hans Zimmer geht ins Ohr, wie den gesamten Film über. Diana zieht zwar ihre Lehren, die ihr im weitern Verlauf ganz hilfreich sein werden. Leider wird es der beste Teil bleiben.

Kirsten Wings Verwandlung vom Mauerblümchen zur Femme Fatale ist die größte Überraschung des Filmes, wenn auch zu Beginn sämtliche Stereotype bedient werden. Sie hatte jedenfalls sichtlich Spaß an ihrer Rolle. Wie schon in Teil 1 trägt Gal Gadot den ganzen Film mehr oder weniger alleine. Das reicht nur bei einer derart abstrusen Haltung nicht mehr aus.

Die Sache mit dem Artefakt. Die Grundprämisse ist spannend, genauso wie die Moral der Geschichte. Wenn jeder bekommt was er möchte, gibt es kein Miteinander mehr. Die Logik bleibt aber vollkommen auf der Strecke. Noch dazu entgleitet die Handlung , da es auf einmal drei ProtagonistInnen gibt, die sich verstreut auf der Welt aufhalten: Diana, Barbara und Maxwell. Der Film fällt dem Drang zum Opfer, sich gegenüber dem Vorgänger steigern zu müssen, Was das wohl für Teil 3 bedeuten mag?

Wonder Woman 1984 war wenige Stunden nach der Premiere in bester Qualität im Netz zu finden. Die Anzahl der illegalen Downloads hält sich mit jener der Kinobesuche und des Streamings die Waage. Warner Bros. muss damit gerechnet haben. Da in naher Zukunft noch mehr Streamingdienste auf den Markt drängen werden, ist mit einer weiteren Zunahme von Piraterie zu rechnen. Auch wenn ein einzelner Dienst für sich nicht die Welt kostet und monatlich kündbar ist, ist es mehr als unrealistisch, dass jemand mehr als ein halbes Dutzend Dienste abonnieren wird.

Warner Bros. wollte offenbar den eigenen Streamingdienst HBO Max stärken. Genauso hätte man den Film weltweit zum Kauf anbieten können, um den Verlust etwas abzufedern. Wobei allein in den USA 10% der Downloads durchgeführt wurden. Wohin das führt, werden die nächsten Monate zeigen. Die Filmbesprechungen waren sehr durchwachsen und eher kritisch. Das zieht einen Effekt nach sich, den man nicht unterschätzen sollte. Nicht umsonst starteten Blockbuster in den letzten Jahren weltweit mehr oder weniger zur selben Zeit.

Es gibt diese eine Szene zwischen Gadot und Pine, in der sie verzweifelt gesteht, dass sie eine neuerliche Trennung nicht ertragen kann. Es ist ein wunderbarer und erstaunlich intimer Moment, mitten im Chaos, das rund um sie herrscht. Leider kann der Film sonst weder in den lauten, noch in den stillen Momenten überzeugen. In mancher Hinsicht war Wonder Woman vor drei Jahren ein Meilenstein im Blockbustersegment. Die Fortsetzung könnte im Nachhinein auf ganz andere Weise in Erinnerung bleiben. Als Wendepunkt in der Vermarktung von Kinofilmen. Jedoch sicher nicht wegen des Filmes selbst.

WONDER WOMAN 1984 | PATTY JENKINS | USA 2020 | 152 MIN. | 2.5 out of 5 stars


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