The Dig

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Es ist ein historisches Detail mit großer wissenschaftlicher Tragweite. Die Ausgrabung handelt von der wichtigsten archäologischen Entdeckung Großbritanniens. Als zwei Seelenverwandte sind Carey Mulligan und Ralph Fiennes zu sehen, denen aus unterschiedlichen Gründen die Zeit davon läuft. Eingebettet in die wunderschöne Landschaft im Osten Englands erzählt der Historienfilm eine kleine Geschichte von der Vergänglichkeit.

Darum geht es

Es ist das Jahr 1939, als in Suffolk (im östlichsten Teil Großbritanniens gelegen) die Landbesitzerin und Archäologin Edith Pretty (Carey Mulligan) den lokalen Hobbyarchäologen Basil Brown (Ralph Fiennes) anheuert, um ein paar Erdhügel auf ihrem Grundstück zu untersuchen. Sie vermutet archäologischen Schätze darunter. Auch Brown hält das für möglich. Er hatte schon früh die Schule verlassen und für seine Theorie, die Hügel seien angelsächsischen Ursprungs und nicht Spuren der Wikinger (also bedeutend älter), wird er von seinen Kollegen belächelt.

Und doch: er soll recht behalten. Unter einem Hügel befindet sich ein angelsächsisches Bootsgrab. Schnell zieht die Ausgrabungsstätte das Interesse des British Museum in London auf sich. Brown wird die Leitung durch den renommierten Archäologen Charles Phillips (Ken Scott) entzogen. In seinem Team befinden sich das Ehepaar Peggy (Lily James) und Stuart Piggott (Ben Chaplin). Die fotographische Dokumentation übernimmt Rory Lomax (Johnny Flynn). Zwischen ihm und Peggy entwickelt sich eine Romanze.

Der Gesundheitszustand von Edith Pretty verschlechtert sich dramatisch und sie wird immer schwächer. Ihr letztes Anliegen ist es, dass Basil Brown die verdiente Anerkennung für seine Arbeit zu Teil wird. Gleichzeitig rückt der Kriegseintritt Englands immer näher.

Peggy (Carey Mulligan) und Basil (Ralph Fiennes) sind zwei Seelenverwandte.

Kommentar

Peggy und Basil könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie, eine wohlhabende Grundbesitzerin und er ein Schulabbrecher, der gegen einen geringen Lohn im nahen Provinzmuseum arbeitet. Sie verbindet die Leidenschaft der Erforschung vergangener Zeiten. Es ist ein Aufbegehren gegen das Vergessen. Was bleibt? Was hinterlassen wir? Für Basil spielt nicht die Vergangenheit jene Rolle, die man der Archäologie zuschreiben würde, sondern die Zukunft. Für die ist es von Bedeutung die eigenen Wurzeln zu kennen und zu wissen wo wir herkommen.

Die Ausgrabung ist ein leiser und unaufgeregter Historienfilm. Die beiden Hauptdarsteller sind von Melancholie und Wehmut geprägt. Ihre gemeinsame Leidenschaft gibt ihnen alle Lebenskraft. Mulligan beeindruckt als schwerkranke Peggy. Fiennes wächst durch seine ruhige und liebenswürdige Art ans Herz. Sie sind die Stars des Films – und natürlich die englische Landschaft. Eingefangen von Kameramann Mike Eley und in warmes Licht getaucht, erinnern die Bilder ein wenig an dass Duo Malick/Lubezki. Auch die Dialoge aus dem Off, die öfter über die schweigenden DarstellerInnen gelegt werden, sind von Malicks schwer zugänglichen Filmen bekannt. Allerdings schlägt Die Ausgrabung nicht in diese Kerbe und ist leichte Kost. Auf die große Leinwand würde er aber allemal gehören.

Es ist ein Film der kleinen Details und Zwischentöne. Dazu zählt zum Beispiel die Beziehung von Basil zu Ediths Sohn Robert (Archie Barnes). Trotzdem gerät der Film aber ins Stocken. Die erfundene Romanze als Nebenstory ist kein Gewinn und darauf zurückzuführen, dass die Geschichte allein auf einem archäologischen Bericht beruht. Das bleibt aber das Grundproblem des Filmes. Im Laufe der Zeit verliert der Film den Fokus auf seine beiden Hauptdarsteller und wir verlieren immer mehr das Interesse. Dem Score gelingt es auch nicht, die Erzählung zu intensivieren. Die Klavierklänge sind nicht mehr als nervend und meist unpassend.

Die Ausgrabung ist ein schön anzusehender Film mit zwei großartigen Hauptdarstellern (und beachtlichen Leistungen in den kleineren Rollen). Mehr aber leider auch nicht. An anderer Stelle wurde bemerkt, dass der Stoff an James Ivorys Filme der 1990er erinnert, ihm aber die literarische Grundlage fehlt.


Die Ausgrabung [Originaltitel: The Dig]

Drama, USA/UK 2021
Regie
Simon Stone
Kamera Mike Eley
Schnitt Jon Harris
Musik Stefan Gregory
Mit Carey Mulligan, Ralph Fiennes, Lily James
Länge 112 Min.
Streamingdienst Netflix


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