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Ich schreibe diese Zeilen mit aller letzter Kraft. Die Augen werden immer schlechter. Die Haut wird plötzlich schrumpelig. Allein in der letzten Minute bin ich um Tage gealtert. Was wäre wenn … Mit diesem Gedankenexperiment beschäftigt sich der Regisseur M. Night Shyamalan in seinem neuesten Film. Soviel sei verraten, nach einer Durststrecke findet der für seine übernatürlichen Plots und überraschenden Wendungen bekannte Regisseur mit Old fast zu alter Form zurück.

Darum geht es

Ein einsamer Strand, auf dem die Gesetze der Zeit, so wie wir sie kennen, aufgehoben sind. Mehr muss man nicht wissen.

Verzweiflung macht sich breit.

Kommentar

Neben all den immer wieder in leichten Variationen aufgetauten Geschichten, die uns so geboten werden, muss man Shyamalan einfach lassen, dass er Neues wagt und ein Gespür für interessante Stoffe hat. Es gibt ein Grundidee, um die sich die Erzählung dreht und am Ende einen überraschenden Plotttwist. Das funktioniert mal besser und mal schlechter. Eine ungewöhnliche Wahl trifft er bei seinen Darstellern. Vicky Krieps (Der seidene Faden) und Gael Garcia Bernal (Neruda) geben ein interessantes Paar ab. Leider werden sie nicht all zu herausgefordert und das obwohl das Drehbuch genügend Raum dafür lassen würde. Nicht zum ersten mal brilliert Thomasin McKenzie (Leave No Trace, Jojo Rabbit) hier in einer Nebenolle und sticht auch aus dem sonst gut durchmischten Ensemble heraus.

Die Kameraarbeit von Mike Gioulakis (Us, Under the Silverlake) ist bemerkenswert und übersteigt bei weitem das, was man sonst von Filmen aus dem Mainstream gewohnt ist. Mal mäandert die Kamera entfesselt und orientierungslos umher und dann verweilt sie in extremen Nahaufnahmen und schneidet Gesichter hart ab. Dazu bekommt man ein gutes räumliches Gespür für die Ausmaße dieses von Felsen umgebenen Strandes.

Es beschleicht einen allerdings das Gefühl, es handle sich hier um eine entschärfte Fassung. Old ist brutal und grausam, das liegt schon allein im Grundmotiv begründet. Nur sieht man das Grauen meist nicht sondern nur die entsetzen Gesichter der Urlaubsgruppe. Das ermöglicht außergewöhnliche Einstellungen (siehe Bild oben). Gerade dort, wo man alles sieht, funktioniert es allerdings sehr gut. Das erkennt man an den Reaktionen im Publikum. Es hätten sich viel mehr Möglichkeiten geboten, feinstem Bodyhorror zu frönen.

Es ist ein spannendes Gedankenexperiment, auf das Shyamalan durch das Grafic Novel aufmerksam wurde, das ihm seine Kinder vor ein paar Jahren zum Geschenk gemacht haben. Allerdings tun sich auch ein paar Fragen auf und gerade gegen Ende verläßt der Regisseur den Pfad der selbst in dieser Welt geltenden Logik und Naturgesetze. Das macht aus Old leider keinen großen Film aber einen, den man sich, vor allem wenn man Shyamalan Werke mag, auf jeden Fall an einem verregneten Sommerabend ansehen kann.

Old
Thriller, USA 2021

Regie M. Knight Shyamalan
Drehbuch M. Knight Shyamalan (nach dem Graphic Novel Sandcastle von Pierre Oscar Levy und Frederik Peeters)
Kamera Mike Gioulakis
Schnitt Brett M. Reed
Musik Trevor Gureckis
Mit Gel Garcia Bernal, Vicky Krieps, Thomasin McKenzie,


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